Verlassene Burg

Man kann sie noch erkennen, die alten, nunmehr von alten Bäumen bewachsenen Erdwälle. Und auch die heute freie Fläche, wo einst die Siedlung stand. Alles das erinnert daran, dass hier seit Urzeiten Menschen siedelten. Die Hradiště Vinoř, die Burgwallanlage beim nördlichen Prager Ortsteil Vinoř, liegt in einem Gebiet, in dem – wie archäologische Grabungen zeigten – vor 700.000 Jahren einer unserer Vorfahren, der Homo Erectus, jagte und sammelte. Aus Steinzeit, Bronzezeit und Aunjetitzer Kultur (siehe auch hier) hat man hier Funde geborgen.

Die Wallanlage scheint allerdings jüngeren Ursprungs zu sein. Sie liegt in dem alten Garten- und Parkareal des nahegelegenen barocken Schlosses von Vinoř. Sie misst stattliche 3,7 Hektar an Fläche und die Wälle, die auf das Siedlungsplateau führen, ragen unter Nutzung der natürlichen Hügellage rund 16 Meter in die Höhe. Während die meisten Wallanlagen dieser Art in der Umgebung Prags keltischen Ursprungs (ca. 1. und 2. Jahrhundert vor Christus) sind, und Jahrhunderte später von den ersten einwandernden Slawen um das 6. Jahrhundert nach Christus wieder in Stand gesetzt und besiedelt wurden, scheint diese Anlage hier wohl ausschließlich slawischen Ursprungs zu sein.

Funde suggerieren, dass die Burganlage im 10. Jahrhundert aufgeschüttet wurde. In dieser Zeit konsolidierte das Geschlecht der Přemysliden seine Macht in der Gegend und es begann so etwas wie eine eigene böhmische Staatlichkeit in größerem Umfang. Dass dies mit einem vermehrten Bau von Festungsanlagen verbunden war, erstaunt nicht. Die Anlage dürfte im 12. Jahrhundert aufgehört haben, als Festung zu dienen.

Auf dem inneren Areal gab es aber noch lange Zeit eine kleine Siedlung, die Ende des 14. Jahrhundert in örtlichen Chroniken erwähnt wird. Bis zum 16. Jahrhundert sind dann mehrere Besitzerwechsel verzeichnet. Zu Beginn des Dreissigjährigen Krieges, genauer: 1627, wird das kleine Dorf als öde und verlassen beschrieben. Und die früheren Bewohner kamen nie mehr zurück. Nichts von dieser Besiedlung ist heute mehr zu sehen.

Heute ist ein Besuch der verlassenen Anlage mit einem Spaziergang durch unbewohnte Natur und felsige Landschaft verbunden. Man kann den Verlauf des Erdwalls, der sich mit einer Länge von über 3 Kilometern (auf zwei Burgteile verteilt) recht stattlich ausnimmt, gut erkennen. Man sieht auch, wie teilweise die Sandsteinformationen des Areals in die Befestigung eingebunden wurden. Und oben auf dem Hügel lässt die als Acker genutzte Freifläche erahnen, dass hier vor langer Zeit eine tief in die Geschichte zurückreichende Besiedlungszeit unwiederbringlich Vergangenheit ist. (DD)

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