Palais in wechselndem Familienbesitz

Prag ist die Stadt der vielen Paläste. In den inneren Stadtbezirken gehen sie oft optisch ein wenig verloren, weil sie von vielen späteren großen Bürgerhäusern umgeben sind. Ein genauer Blick offenbart jedoch die frühere Pracht des Lebens der großen Adelsfamilien der Stadt.

Ein beeindruckendes Beispiel findet sich, wenn man vom Wenzelsplatz die Straße Na příkopě entlang geht. Bei Hausnummer 852/10 steht man plötzlich vor der langen Barockfassade des Sylva-Tarouca- Palais (Palác Sylva-Taroucca), einem der größeren der vielen Stadtschlösser der Stadt.

Der Name suggeriert natürlich, dass dieser Palais der ursprünglich iberischen, aber im 18. Jahrhundert ins österreichische Böhmen übergesiedelte Adelsfamilie Sylva-Tarouca gehörte. Das stimmt auch, allerdings erst seit 1885 als Arnošt Graf von Silva-Tarouca, die letzte Erbin des alten böhmischen Adelsgeschlechts der Nostitz heiratete. Der Graf erwarb dadurch den Palais und im übrigen auch das Schloss und den Garten von Průhonice, über die wir hier und hier bereits berichteten, wo er als Förderer der wissenschaftlichen Botanik bis heute bekannt wurde.

Zurück zum Palais: Die Familie Nostitz waren auch nicht die ursprünglichen Besitzer, sondern hatten sie 1766 vom böhmischen Zweig der italienischen Familie Piccolomini erworben. Prinz Ottavio Piccolomini, der als kaiserlicher General im Dreissjährigen Krieg an den Vorbereitungen zur Ermordung Wallensteins beteiligt war und dafür vom Kaiser reichlich belohnt worden war, hatte kurz vor seinem Tode im Jahre 1656 das Grundstück erworben, auf dem zuvor mehrere kleine Häuser standen, und mit dem Bau eines Palastes begonnen.

Allerdings gaben ihm erst seine Nachfahren die heutige hochbarocke Form. Sie heuerten den Architekten Kilian Ignaz Dientzenhofer (der damals anerkannteste Barockmeister der Stadt) an, der ab 1743 einen großen Bau mit zwei hintereinandergelagerten Innenhöfen erbaute. Nach seinem Tod 1751 setzte Amselm Lurago die Arbeit bis 1752 fort.

Seit 1911 gehört der Palais der Stadt Prag, die einige kulturelle Einrichtungen hier untergebracht hat, aber die meisten Räume an private Miter verpachtet hat, darunter ein Café, das im Sommer eine ruhige Kaffeepause im ersten Innenhof ermöglich und ein Kasino. Der tschechische Rotary Club hat hier seinen Sitz.

Die einstige Pracht des Palais ist trotz der uneinheitlichen Nutzung noch gut erkennbar. Da ist die Fassade die Fassade zur Straße mit ihren barocken Stuckaturen und dem Familienwappen des Geschlechts Nostitz über der Eingangspforte (großes Bild oben), da sind die ebenfalls noch gut erhaltenen Innenhöfe, von denen der zweite zur Reithalle gehörte und mit zwei schönen Brunnen geschmückt ist. Im Eingangsbereich kann man noch den Treppenaufgang zur rechten Seite bewundern, der opulent mit Statuen aus der antiken Mythologie ausgeschmückt ist. Ein kleine Blick hinein sei erlaubt und gibt einen Eindruck von der Welt der Adelssitze in der Stadt. (DD)

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