ARA in Neon

Inmitten der schnörkeligen Architektur, die ihn umgibt, wirkt er auf den ersten Blick ein wenig wie ein Fremdkörper: Der Palác ARA (ARA Palast) in der Perlova 371/5. Aber auf den zweiten Blick entdeckt der Liebhaber von Art Déco-Architektur, dass die Fassade geradezu die Vollendung dieses Stils verkörpert. Entworfen und gebaut wurde das Ganze 1931 von dem Architekten Milan Babuška, der später auch das Nationale Technikmuseum (1938) Prags bauen sollte.

Der gestufte Turmaufbau, die streng funktionalistische Uhr und vor allem das gebogene Fenster ohne Stützsäulen an den Seiten repräsentierten damals die Modernität schlechthin. Gerade die gebogene Fensterstruktur war so neu, dass man Anfangs schwere Sicherheitsbedenken hatte. Nach Fertigstellung wartete man erst einmal fünf Stunden, bevor das Gebäude dann zum ersten Mal betreten wurde. Dabei war Sicherheit eigentlich ganz großgeschrieben. Der Auftraggeber, die Firma A.R. Amschelberg (daher ARA), der hier ein großes Kaufhaus einrichtete, ließ eine Sprinkleranlage zum Schutz gegen Feuer einbauen – etwas, das es zuvor in Prag noch nicht gegeben hatte.

Das siebenstöckige Gebäude wurde nach 1948 von den Kommunisten verstaatlicht und mit dem auf privatwirtschaftliche Initiative hindeutenden Namen ARA wollten sie nichts zu tun haben. Ab sofort hieß das Ganze Palác Perla nach der Straße, in der es sich befindet (Perlova). Wie im Kommunismus üblich lebte man auch hier von der Substanz, die der Kapitalismus hinterlassen hatte. 1961 brach ein Feuer aus, das zum ersten Mal die Wirksamkeit der alten ARA-Sprinkleranlage testete. Die bestand den Test mit Bravour. Nach fünf Minuten war das Feuer wieder gelöscht.

Nach dem Ende der kommunistischen Herrschaft wurde das Gebäude 1992 privatisiert, renoviert und im Jahre 2018 noch einmal gründlich umgebaut. Heute beherbergt es etliche Firmenbüros und die Filiale einer Bank. Der Eingang wurde versetzt und das Innere wurde völlig entkernt, so dass nur noch die Fassade als das ursprüngliche Art Déco erkennbar ist. Obwohl es die Firma ARA nicht mehr gibt, hat man, auch um dem kommunistischen Erbe zu trotzen, das Gebäude wieder in Palác ARA umgetauft. Die alten Neon-Lettern von damals wurden wieder auf dem Turmdach angebracht (großes Bild oben) und verleihen dem Ganzen wieder eine gewisse stilistische Authenzität. (DD)

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