Gestohlener Nikolaus

Die Kirche des Heiligen Nikolaus (Kostel svatého Mikuláše) in Vršovice (Prag 10) ist die ursprüngliche katholische Gemeindekirche in diesem Stadtteil. Sie ist eine von drei Kirchen in Prag, die dem Heiligen Nikolaus gewidmet sind – wir stellten sie hier und hier vor.

Es gab Vorgängerbauten an dieser Stelle, dem Vršovické náměstí 84/6, zuerst eine romanische Kapelle aus dem 11. Jahrhundert , die der Heiligen Maria Magdalena gewidmet war, und dann eine kleine gotische Kirche aus dem Jahre 1422. Von beiden findet man keine erkennbare Spur mehr. Im Jahre 1704 war Vršovices Bevölkerung so sehr gewachsen, dass die alte Kirche zu klein war. Eine neue und größere Kirche im Barockstil wurde an selbiger Stelle erbaut.

Die war bald auch zu klein und so bestellte man 1890 den Architekten Bohumil Holeček, damit er die Kirche vergrößern möge. Das tat der, aber so behutsam, dass der barocke Charakter der Kirche unangetastet blieb.

Die Industrialisierung in Böhmen schritt jedoch weiter voran und die Bevölkerung wuchs dementsprechend weiter, was gerade auch Vršovice betraf. Und deshalb war war die Kirche schon bald wieder zu klein.

Deshalb baute man nur wenige hunderte Meter entfernt in den 1920er Jahren zusätzlich eine völlig neue und riesengroße Kirche. Seither steht St. Nikolaus etwas im Schatten der nahegelegenen St. Wenzel-Kirche (Kostel sv. Václava), die als funktionalistischer Pionierbau gilt (früherer Beitrag hier) und heute die große katholische Gemeindekirche des Stadtteils ist.

Aber deshalb sollte man sich die Kirche des Heiligen Nikolaus nicht verkneifen. Der 28 Meter hohe Turm fällt durch seine prismische Form auf. Die astronomische Uhr des Uhrmachers Jan Prokeš stammt aus dem Jahre 1866 und drinnen hängt eine (aus einer anderen Kirche stammende) große Glocke von 300 Kilogramm Gewicht.

Der alte Kirchhof wurde bei der Renovierung 1890 aufgelöst, aber die üppig mit Bäumen bewachsene Grünfläche drumherum ermöglicht immer noch einen Eindruck davon, wie es vorher hier aussah. An der Nordseite steht unter einem Baldachin eine große und sehr schmucke Statue des Heiligen Nepomuk, die wir oben im großen Bild sehen können. Nikolaus wiederum begegnet uns wiederum auf dem Tympanon über dem Eingang.

Drinnen ist die Kirche sehr schmucklos und schlicht. Von der barocken Ausstattung blieb vor allem ein großer Gekreuzigter im Eingangsbereich.

Insbesondere ein Schmuckstück der Kircheneinrichtung, eine Ikone des Heiligen Nikolaus, fiel 1988 einem schnöden Diebstahl zum Opfer. Heute hängt deshalb hinter dem bescheidenen Altar ein Gemälde des Heiligen des Malers Václav Rad, das die Gemeinde 2001 kaufte. Besichtigen kann man die Kirche innen in der Regel nur bei Gottesdiensten. (DD)

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