Wasserturm an die Umgebung angepasst

Schon lange bevor im späten 19. Jahrhundert eine durch Dampfpumpen zu erhöhter Effizienz gebrachte flächendeckende Wasserversorgung für ganz Prag eingeführt wurde, hatte man in der Stadt begonnen, Wassertürme zu bauen (früherer Beitrag hier). Diese drückten mit Hilfe der Schwerkraft Wasser, das durch Wassermühlen zum oberen Stockwerk hinaufgepumpt wurde, in Leitungen. Einige Teile der Stadt konnten so mit einigermaßen gutem Wasser versorgt werden.

Einer dieser Wassertürme steht direkt neben der Karlsbrücke am Moldauufer in der Novotného lávka 976/7 – der Altstädter Wasserturm (Staroměstská vodárenská věž). Schon im späten 15. Jahrhundert gab es hier wohl schon einen hölzernen Turm, der aber öfter abbrannte, und deshalb um 1577 durch jene steinernen Konstruktion ersetzt wurde, die im wesentlichen bis heute das Erscheinungsbild des Turms prägt. Die Schweden beschossen ihn 1648 bei ihrem Versuch, Prag während des Dreissigjährigen Krieges zu erobern, weshalb Reparaturen nötig wurden. 1762 wurde er noch einmal etwas grundlegender renoviert und bekam eine barocke Turmbedachung.

In dieser Form wurde der Turm 1835 von dem Ingenieur Josef Božek technisch auf den neuesten Stand gebracht und mit Dampfkraft ausgestattet. Nach einem Brand, der 1878 schwere Schäden anrichtete, wurde das Gebäude abermals grundlegend renoviert. Dabei stockte man den Turm um eine Etage auf und machte die barocken Veränderungen des Jahres 1762 weitgehend rückgängig, um sie durch ein neo-gotisches Design (inklusive großer Uhren an jeder Seite) zu ersetzen. Damit passte sich der Turm der Umgebung der Karlsbrücke, insbesondere dem Altstädter Brückenturm an (früherer Beitrag hier), dem er nun mit seinen Erkertürmchen sehr ähnelt. Man sieht das sehr deutlich im großen Bild oben.

Inzwischen – im Jahre 1880 – hatte er allerdings als Wasserturm ausgedient und er wurde durch ein modernes Wasserwerk zwei Häuser weiter ersetzt, das 1883 eingeweiht wurde. Es handelte sich dabei um einen ein Neorenaissancebau des Architekten Antonín Wiehl, das mit vielen Sgraffiti verziert ist. Man sieht es rechts im kleinen Bild (links) mit dem Turm im Hintergrund.

Dieses Wasserwerk stellte ebenfalls seinen Betrieb 1913 ein und beherbergt seit 1936 das Smetana-Museum (früherer Beitrag hier). Im Turm selbst sind heute Büros untergebracht. (DD)

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