Kafka beim Hecht

Man muss weit nach oben schauen, bis man den Hecht sieht. Die meisten Passanten bemerken ihn wohl gar nicht erst. Dabei sieht er mit seinem vergoldeten schnabelförmigen Maul, das zu grinsen scheint, eigentlich doch recht putzig aus.

Wirkliche Berühmtheit hat das fünfstöckige Haus U Zlaté Štiky (Zum Goldenen Hecht) an der Ecke Masná 705/1 und Dlouhá 705/16 inmitten der Altstadt aber nicht wegen des Hechtes erlangt. Vielmehr handelt es sich um eines der Häuser, die dereinst der große Schriftsteller Franz Kafka bewohnt hatte. Der unstete Kafka lebte hier in einer Wohnung mit Eckzimmer von März 1915 bis Februar 1917.

Kafka ging, der Hecht blieb. Er ist Relikt eines älteren Hauses, das hier vorher stand. Es handelt sich um ein barockes Hausschild, das zu einer kleinen Brauerei gehörte, die den Namen Zum Goldenen Hecht trug und anscheinend auf das 15. Jahrhundert zurückverfolgbar ist. Die barocke Umgestaltung des ursprünglich gotischen Hauses erfolgte im 17. Jahrhundert. 1913 ersetzte man das Ganze durch das Jugendstilgebäude, das man heute hier sieht, und das Kafka bewohnte.

Es ist anzunehmen, dass das Hausschild mit dem Goldhecht ursprünglich über dem Eingang im Erdgeschoss hing und somit deutlicher sichtbar war. Mit dem Neubau von 1913 verfrachtete man es – als einziges Überbleibsel des Barockbaus – nach oberhalb des dritten Stocks.

Unter dem in eine rechteckige Kartusche gefassten Fisch steht ein Hausmotto, das in Deutsch etwa lautet: „Dieses Haus wird von der Hand des Herrn geschützt, wir nennen es Zum Goldenen Hecht.“ (DD)

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