Auf den Spuren der Brüder Čapek III: Wo Dášeňka Gassi ging

Das Areal, auf dem sich heute der Garten der Brüder Čapek (Sady bratří Čapků) befindet, lag lange etwas außerhalb Prags. Ende des 19. Jahrhunderts erschloss man das, was heute der Stadtteil Vinohrady ist, aber bis 1922 noch eine eigenständige Stadt gleichen Namens war. 1893 parzellierte man diesen Abschnitt und zwar so, das man hier 1903 eine große Fläche, die seit dem 18. Jahrhundert als Obstgarten diente, als Park kultivieren konnte.

Das Gelände, das in Prag 2 zwischen den Straßen Korunní, Kladská und Slovenská an einem Hang gelegen ist, wurde 1928 zunächst nach dem mährischen Dichter Petr Bezruč benannt. Aber Hand aufs Herz: Die großen Literaten Vinohradys sind doch eindeutig die Brüder Čapek! Karel, der große Romanschriftsteller, und Josef Čapek, der kubistische Maler und Theaterautor sind in diesem Blog schon mehrfach vorgestellt worden – etwa hier und hier. Sie gehören beidezu den bedeutendsten Kulturschaffenden der Ersten Republik zwischen den Weltkriegen.

1956 wurde der Park von der Stadtregierung Vinohradys nach den beiden Brüdern benannt; nur ein kleiner Teil, der zu Prag 10 gehört, heißt weiterhin Bezručovy sady. 2006 und 2007 wurde der Park grundsätzlich umgestaltet. Neue Wege, Brunnen und Rosenbeete wurden angelegt und neue Bäume angepflanzt. Dass hier ursprünglich Obstgärten waren, erkennt man seither nicht mehr.

Wenn man in Vinohrady ist, sollte man sich einen kleinen Spaziergang im Park, der nicht nur hübsch und erholsam ist, sondern von viel interessanter Architektur umgeben ist. Dazu gehört im Süden die alte, 1903 im Neorenaissancestil erbaute Grundschule (heute auch die Pädagogische Fakultät beinhaltend, kleines Bild oben links), im Norden der berühmte Wasserturm  von Vinohrady aus dem Jahre 1882 (früherer Beitrag hier), das hübsche Neobarockgebäude der lettischen Botschaft (zu sehen auf dem großen Bild oben) und vor allem das  Hus Haus, jene avantgardistisch moderne Kirche, über die wir bereits hier berichteten. Im Park lädt eine Gaststätte mit großem Biergarten, die Kafárna Na Kus řeči, zum Einkehren ein.

Und einen Bezug zu den Brüdern Čapek kann man auch herstellen. Die beiden waren Hundenarren – wie alle Tschechen (siehe Beitrag hier). Besonders Karel Čapek ist ja bis heute vor allem berühmt für sein Buch über Dášeňka aus dem Jahre 1933, in dem er die Welpenjahre seines jungen Foxterriers beschrieb. Mit seiner Dášeňka dürfte er etliche Male in diesem Park Gassi gegangen sein, wohnte er doch hier in der Nähe.

Im April 2016 haben die Prager das gefeiert und auf dem Parkgelände mit Unterstützung des Tschechischen Verbandes der Foxterrier-Züchter einen Dášeňka-Tag gefeiert, an dem sich Besitzer von Foxterriern des Dášeňka-Typs mit ihren Vierbeinern in Massen hier trafen. War wohl eine lustige Sache… (DD)

Siehe auch: Auf den Spuren der Brüder Čapek I: Das Denkmal in Vinohrady und Auf den Spuren der Brüder Čapek II: Die Villa

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