Sternbergs Palais als Museum

Das Palais Sternberg (Šternberský palác) ist nicht nur als eines der Museen der Nationalgalerie, sondern auch selbst als Bauwerk eine Sehenswürdigkeit. Es gehört mit zu dem Reigen der großen Adelspaläste rund um den Burgvorplatz (Hradčanské náměstí) und ist benannt nach dem Adelsgeschlecht Sternberg (siehe auch früheren Beitrag hier).

Man muss einen kleinen abschüssigen Weg herunter vom Burgplatz finden, um dort hinzukommen und den eher unscheinbaren Toreingang zu entdecken. Man weiß immerhin, wer den Palast ab 1698 erbauen ließ, nämlich Wenzel Adalbert von Sternberg, ein Förderer der Künste, dem Prag auch das Schloss Troja (früherer Beitrag hier) verdankt, und der aus einer der ältesten und einflussreichsten Familien Böhmens kam. Die heute in seinem ehemaligen Hause beherbergte Kunstsammlung des Nationalmuseums hätte ihm sicher gefallen.

Wer hingegen der Baumeister war, der das Gebäude entwarf, liegt im Dunklen. Namen wie Giovanni Battista Alliprandi, Christoph Dientzenhofer und auch Johann Blasius Santini-Aichl fallen immer wieder, aber man weiß es nicht wirklich. Jedenfalls war es ein Meister seines Fachs und des Barocks. Dem Sternberg Palais wich ein älterer Palast im Stil der Gotik und der Renaissance, der dem Geschlecht der Lobkowicz (siehe auch hier) gehört hatte. Das zweigeschossige Gebäude mit seinen vier Flügeln, die einen großen Innenhof umschließen, war einer der ersten Bauten mit einem Mansardendach – eine damals brandmoderne Neuerung aus Frankreich.

Im Hof selbst steht eine große Skulptur eines Löwen, der eine Schlange tötet; ein Werk des französischen Bildhauers Antoine-Louis Barye, die um das Jahr 1847/48 entstand (großes Bild oben). Es handelt sich übrigens nicht um den böhmischen Wappenlöwen, der nämlich im Gegensatz zu diesem Löwen hier einen zweigeteilten Schwanz hat.

Neben dem Gebäude, dessen Südflügel erst 1835 bis 1842 fertiggestellt wurde, befindet sich oberhalb des das Burgareal begrenzenden Hirschgrabens noch ein kleiner, aber sehr hübscher Garten, der so versteckt ist, dass er eine unerwartete Ruheoase inmitten eines sonst von Touristen geradezu überschwemmten Teils der Stadt ist.

Erst 1811, als die Familie Sternberg den Palais an die Gesellschaft Patriotischer Kunstfreunde in Böhmen verkauft hatte, entwicklete sich die Sache in Richtung einer öffentlchen Kulturinstitution. Der Weg dahin war aber holprig. Anfangs befanden sich hier etliche Künstlerateliers. Von 1821 bis 1947 vermietete man das Gebäude dem neu gegründeten Nationalmuseum. Baulich war das Palais aber für museale Zwecke noch eher ungeeignet und es lag auch zu weit vor Altstadt entfernt. 1871 verkaufte die Gesellschaft das Gebäude, das anschließend eine Irrenanstalt und ab 1918 eine Militärschule wurde. Erst 1946-48 machte man Nägel mit Köpfen und baute den Palais zum Museum um.

Der Umbau gelang recht ansprechend. Die Sammlung, die Gemälde vom Mittelalter bis zum Barock präsentiert, ist harmonisch in die Architektur und Innengestaltung des alten Palais‘ eingebettet. Sichtbar wird das unter anderem in den Räumen für Wechselausstellungen, wo sich dereinst die Kapelle (kleines Bild oberhalb rechts) mit ihren schönen Fresken und der ausgesprochen prachtvolle ehemalige Pferdestall befanden. Bei letzterem kann man noch Reste von Freskenportraits der Lieblingspferde von Graf Wenzel Adalbert erkennen. (DD)

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