Kleiner Wasserturm

Die Wasserversorgung der Stadt durch Brunnen, wie sie im Mittelalter noch üblich war, brachte Mühen und vor allem Seuchengefahren mit sich. Im späten 19. Jahrhundert wurden daher im großen Stil Wasserleitungen verlegt, die von Wassertürmen aus mit sauberem Wasser versorgt wurden. Aber ganz neu war die Idee dazu nicht, denn schon seit Ende des 15. Jahrhunderts gab es in Prag bereits solche Wassertürme. Der Kleinseitner Wasserturm (Malostranská vodárenská věž) am Janáček-Ufer (Janáčkovo nábřeží) ist ein hübsches Beispiel dafür. Er ist mit 34 Meter Höhe auch der kleinste der historischen Wassertürme Prags.

Der ursprüngliche Holzturm, der hier stand, wurde in den Jahren 1561-62 in ein steinernes Gebäude umgewandelt. Das entspricht allen Renovierungen (von denen die des Barockarchitekten Carlo Lurago Ende des 17. Jahrhunderts die bedeutendste war) zum Trotz noch immer ungefähr dem, was wir heute sehen. Verantwortlich war für den Steinbau ein gewisser Jan Petržilka, der Betreiber einer Mühle, die zu einem nahegelegenen Kartäuserkloster gehörte. Deshalb spricht man bisweilen auch vom Petržilka-Wasserturm. Der Turm versorgte damals tatsächlich den größten Teil der Kleinseite mit frischem Wasser, das vermittels eine Mühle in einen Behälter oben im Turm gepumpt wurde.

Die Mühle wurde 1826 durch eine wesentlich effizientere Dampfpumpe ersetzt, die der Ingenieur Josef Božek, einer der Pioniere der Dampftechnologie in Böhmen, konstruiert hatte. Als Ende des 19. Jahrhunderts sich modernere Technologien der Wasserversorgung durchsetzten, hatte der Turm ausgedient. 1886 stellte man den Betrieb ein. Leute, die den Turm anderweitig nutzen wollten, gab es jedoch in Fülle. Der Turm liegt auf einer kleinen Insel am Ufer der Moldau (die, wie schon fast zu erwarten ist, Petržilka-Insel heißt) und von drinnen hat man sicher eine atemberaubende Aussicht auf die Altstadt und auf die Burg. Unter anderem nutzten Wassersportler und Pfadfinder das Gebäude.

In den Jahren 1987/88 baute man den Turm um. Ein Aufzug wurde eingebaut und von nun an verband auf Höhe des ersten Stocks eine gläserne Brücke den Turm mit dem daneben stehenden Verwaltungsgebäude aus den späten 1920er Jahren, das heute passenderweise eine Firma für Wasserbau beherbergt. Im Turm selbst befinden sich heute verschiedene Büros. (DD)

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