Romanische Wehrkirche

Fernab im Osten der Stadt – im Stadtbezirk Praha 9 – liegt der Stadtteil Kyje ein Ort, der im 11. Jahrhundert erstmals in den Chroniken erwähnt wurde.

Die über alten Fischteichen aus dem 14. Jahrhundert gelegene Ortschaft mit ihren rund 9000 Bewohnern ist gewiss nicht der spektakulärste Touristenmagnet der Stadt, aber sie kann mit ihrer alten Dorfkirche schon etwas Besonderes vorweisen.

Schon von weitem sieht man das kupferne (mit Grünspan überzogene) Dach des großen Turmes der Kirche St. Bartholomäus (Kostel svatého Bartoloměje). Die Kirche gehört zu den imposantesten romanischen Kirchen Prags überhaupt. Der Turm strahlt eine trutzige Wehrhaftkeit aus, und tatsächlich handelt es sich bei der Bartholomäuskirche um eine klassische Wehrkirche, die nicht nur der Verbreitung der frohen Botschaft, sondern auch als Zufluchtsort für die Bewohner im Falle eines Angriffs durch Feinde diente.

Das Schiff ist ansteigend zum Turm hin aufgebaut, was die gedrungene Form unzerstreicht. Tribünenkirche nennt man diesen Kirchentyp auch. Das heißt, die Stufung setzt sich auch innen im Raum fort, und der niedrigere Teil war für die „gemeinen“ Menschen und der obere (mit eigenem Eingang) für die „Edlen“ reserviert. Die Ständegesellschaft wurde hier geradezu in Stein gemauert.

Die Kirche wurde durch den Prager Bischof Johann II. von Dražice erbaut, der dieses Amt von 1226 bis 1236 innenhatte. Definitiv dokumentiert ist die Kirche erstmals durch eine Charta von Bischof Johann IV. von Dražice.

In den Jahren 1570 bis 1743 war sie nicht mehr dem Prager Bischof, sondern der Kirche Kirche des Hl. Heinrich und der Hl. Kunigunde (Kostel sv. Jindřicha a sv. Kunhuty) in der Neustadt unterstellt. Danach wurde sie Gemeindekirche des Ortes. Das war mit etlichen Renovierungsumbauten und der Barockisierung des alten Pfarrhauses, das neben der Kirche steht, einher ging. Im 19. Jahrhundert gab es noch einige Ergänzungen im Innenraum (den man leider nur bei Gottesdiensten besichtigen kann). So entwarf kein Geringerer als der Dombaumeister des Veitsdoms, Josef Kranner, 1845 ein neues Baptisterium für die Kirche.

Ansonsten blieb die Kirche aber gottlob in ihrem sehr authentischen und einzigartigen Charakter als spätromanische Wehrkirche erhalten. Daran änderten die behutsamen Reparaturen des Gebäudeäußeren in den Jahren 1973 bis1989 und die Renovierung Innenraums von 1987 bis 1991 wenig.

Umgeben ist die Kirche des Heiligen Bartholomäus von einem hoch ummauerten Kirchhof, der bis 1854 genutzt wurde, und in dem sich noch einige der alten Grabmäler befinden. (DD)

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