Ein Bunker, der gottlob nie getestet wurde

Der Kalte Krieg hinterließ auch seine Spuren in Prag. In den 1950er und frühen 1960er schien die Gefahr eines Nuklearkrieges durchaus real (Stichwort: Kubakrise) zu sein. Mehr als im Westen bestand die Antwort in den kommunistischen Ländern im Bau von unzähligen riesigen Bunkern. Sie dienten nicht nur direkten militärischen Zwecken der Landesverteidigung, sondern vor allem in besonders großem Umfang als Schutzeinrichtungen für die Zivilbevölkerung.

Eine solche Einrichtung befindet sich in Prag 2 im Folimanka Park (ul. Pod Karlovem). Es gab wohl schon eine kleine Bunkereinrichtung, die während des Zweiten Weltkriegs erbaut worden war. An einigen Stellen sieht man heute noch deutsche Schrifttafeln und Hinweise (wie die lebenswichtige Information im Bild links), aber ansonsten weiß man erstaunlich wenig über diesen ursprünglichen Bunker.

Aber nötig war er wohl, denn die Ausstellung drinnen beginnt mit einigen Tafeln über die Bombardierung Prags am 14. Februar 1945 durch amerikanische Bomber, die eigentlich an der Bombardierung Dresdens hätten teilnehmen sollen, sich aber verflogen hatten. Über 700 Menschen kamen ums Leben und besonders der Stadtteil 2 war schwer betroffen. Eine entschärfte Fliegerbom beim Eingangsbereich des Bunkers, die gottlob nicht explodierte, erinnert daran.

Im großen Stil wurde der Bau des Folimanka-Bunkers aber erst in der zweiten Hälfte der 1950er Jahre in Angriff genommen. 1962 wurde er fertiggestellt. Tief in den Schieferfelsen des Areals gehauen, sollte er sogar atombombensicher sein. Statiker sagen heute, man solle froh sein, dass das nie ausgetestet wurde. Wie dem auch sei: Die Anlage war jedenfalls beeindruckend groß und gut ausgestattet.

Schon die bloßen Daten sprechen für sich. 125 Meter sind die Korridore lang, die die verschiedenen Räume innen verbinden. 1332 Quadratmeter misst die Grundfläche. Für 1300 Menschen waren die Schutzräume geplant, die für 72 Stunden hier in Sicherheit gebracht werden sollten. Schlappe 0.8 qm pro Person waren von den Planern der Anlage vorgesehen, was eher knapp bessen ist, aber immer noch besser als draußen verstrahlt zu werden.

1989 verschwand der Spuk des Kommunismus und mit ihm der Kalte Krieg. Der Bunker gehörte weiterhin dem Zivilschutz, war aber geschlossen und verfiel. 1994 gab man ihn der Stadtverwaltung von Prag 2, die aber zunächst wenig damit anfangen konnte. Aber der Speleologenverein der Stadt und andere Aktivisten zeigten immer mehr Interesse an diesem in Stein, Stahl und Beton gegossenen Zeitdokument. Sie betrieben Lobbying und die Stadtverwaltung 2 investierte ordentlich Geld für eine allfällige Renovierung. Seit 2014 ist der Bunker einmal im Monat an einem Samstag (zu erfahren hier) geöffnet. Ginge es nach der Besuchernachfrage, könnte der Bunker noch öfter geöffnet werden, denn der Andrang ist jedesmal enorm.

Die Besucher bekommen auch einiges geboten. Ausstellungstafeln (leider meist nur in Tschechisch, aber es gibt kleine Infoblätter auch in Englisch, die über das Nötigste Auskunft geben) geben Auskunft über technische Details und die Geschichte. Man kann Lagerräume, Generatoren, medizinische Fazilitäten, Luftfilter, Staubfilter, Toiletten (die sich durch besonders wenig Privatsphäre auszeichneten) bewundern. Oder die Kommunikationseinrichtungen und die vier kärglich aussehenden Duschen, die übrigens nicht der allgemeinen Hygiene dienten, sondern der Dekontaminierung von Menschen, die gerade noch ein wenig nuklearen Fallout mitbekommen hatten. Oder den Raum, in dem man hätte die Toten unterbringen müssen, die dort mit Löschkalk bedeckt worden wären.

Kurz: Das ist ein informatives und spannendes Museum für die ganze Familie (sogar Hunde sind erlaubt)! Ein Ausflug in dieses Labyrinth aus den Zeiten des Kalten Krieges lohnt sich in jedem Fall. Anschließend kann man noch einwenig durch den Park schlendern und die damals sorgfältig versteckten Hinweise auf den Bunker suchen, wie zum Beispiel den deutlich oberhalb liegenden Lüftungsschacht im Bild links. (DD)

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