Gedenken an Aktion Kulak

Bei der Aufzählung kommunistischer Verbrechen in der Tschechoslowakei darf die Kollektivierung der Landwirtschaft nicht fehlen. Neben dem Landwirtschaftsministerium (Těšnov 65/17) steht ein Denkmal, das der Opfer gedenkt.

Klement Gottwald, der Anführer der Kommunisten, die 1948 im Lande die Macht übernahmen, packte seine Botschaft zunächst in Zuckerwatte ein. Seine Agrareform sei im Sinne des redlich arbeitenden Kleinbauern und die Kollektivierung werde nur die reichen Großbauern mit einem Besitz von mehr als 50 Hektar betreffen. Und deren Land solle großzügig an die Kleinbauern verteilt werden, die damit ein besseres Leben beschert bekämen, sagte er. Aber das war nur ein Teil seiner Strategie, die Bauern gegeneinander auszuspielen, um am Ende alle überwältigen zu können. Als die Großbauern erledigt waren, kamen auch die Kleinbauern an die Reihe.

Denn je mehr sich die Macht der Kommunisten konsolidierte, umso mehr wurde der stalinistische Grundcharakter ihrer Agrarpolitik sichtbar. Immer weniger sanft wurde der Druck auf alle Bauern, sich sogenannten Genossenschaften (eine kaschierende und verharmlosende Bezeichnung für Verstaatlichung) anzuschließen. Es wurden zum Beispiel Quoten für landwirtschaftliche Erzeugnisse festgelegt, die zu so niedrigen Preisen verkauft werden mussten, dass die Bauern gnadenlos um ihre Existenz gebracht wurden und ihnen nichts anderes übrig blieb, als sich kollektivieren zu lassen.

1951 rollte die „Aktion Kulak“ an. Schon diese russische Bezeichnung zeigte, wie sehr Gottwald als Schüler Stalin auftrat. Als Kulaken wurden in der Sowjetunion die (echten oder vermeintlichen) Großbauern bezeichnet und der Massenmord an ihnen während der Kollektivierung in den 1930er Jahren gehört mit rund 600.000 Todesopfer zu Stalins großen Verbrechen. Mit diesem Vorbild im Sinn wurden in der „Aktion Kulak“ in der Tschechoslowakei rund 4.000 Bauern gewaltsam von ihren Höfen vertrieben – und zwar nicht nur Großbauern, sondern vor allem auch jene Bauern, die als regimekritisch galten. Wer sich widersetzte, wurde ins Gefängnis gesteckt. Es kam sogar zu etlichen Hinrichtungen.

Die kollektivistische Planwirtschaft, die das freie Bauerntum nun ersetzte, zeichnete sich als Mangelwirtschaft aus. Sie hinterließ zudem ein ökologisches Desaster. Chemikalien verseuchten den Boden und die unfachgemäßen Kanalisierungen der Wasserversorgung gelten heute als eine der Ursachen für die großen Moldaufluten, die seit dem Untergang des Kommunismus etliche Male Prag verwüsteten.

Von den Tätern wurde leider niemand wirklich bestraft. Aber heute wird immerhin wieder 25% der Gesamtfläche Tschechiens von Privatbauern bewirtschaftet – ein Segen, den wir den Privatisierungen nach der Samtenen Revolution 1989 verdanken, wie die Vereinigung der privaten Landwirte (Asociace soukromého zemědělství) bei Aufstellung des Denkmals feststellte.

Die schrieb auch 2001 den Künstlerwettbewerb für das Denkmal der Opfer aus, den der Bildhauer Jiří Plieštik gewann. Seit 2004 steht das von ihm entworfene Denkmal für die Opfer der Kollektivierung in der Landwirtschaft (Památník obětem kolektivizace v zemědělství) nun nahe der Moldau mit einer aus kleinen Betonstufen bestehenden Umfassung der Architekten Zuzana Mezerová und Tomáš Novotný.

Das Denkmal zeigt ein hochragendes Bündel von sich die Freiheit bahnenden Ähren, die mit Stacheldraht umwickelt sind. Eine Tafel schildert kurz die Gräuel der Kollektivierung und zitiert ein Gedicht des spätromantischen Dichters Josef Václav Sládek aus dem Jahre 1890 über die Ewigkeit von Acker und Land. (DD)

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