Dreikönigszug mit Hirtenmesse

Heute ist der 6. Januar, der Tag der Heiligen Drei Könige, der Tag an dem man Balthasar, Caspar und Melchior feiert – die aus der Ferne angereisten drei Weisen, die Jesus nach seiner Geburt anbeteten.

Ab und an sieht man Sternensinger an diesem Abend, wie man es es in vielen süddeutschen Gemeinden tut (auch in Stuttgart, wo aber dieses Ereignis eine noch höhere Bedeutung hat), jedoch der Höhepunkt ist zweifellos der nachmittagliche Umzug, der um 15 Uhr am Malostranské  náměstí (Kleinseitner Platz) beginnt.

Den gibt es wohl erst wieder seit den Zeiten nach der Samtenen Revolution, denn unter den Kommunisten wäre so etwas undenkbar gewesen. Jetzt lockt das Ereignis riesige Menschenmassen an. Organisiert wird das Ganze von der katholischen Gemeinde der Kirche St. Thomas (kostel svatého Tomáše), die direkt in der Nähe liegt (siehe früherer Beitrag hier).

Der Zug ist nicht sehr riesig, aber er enthält alles, wessen es bedarf. An der Spitze ziehen die (entsprechend nach den barocken Traditionen verkleideten) Drei Könige – und zwar auch echten Kamelen! Das begeistert vor allem die Kinder und die Tiere scheinen den Trubel gewöhnt zu sein und bleiben stoisch ruhig.

Es folgen Hirten, Engel und Musiker – ebenfalls in feschen Kostümen. Dann ziehen sie los, und zwar langsam, weil die Route nun durch hochtouristisches Gebiet verläuft, wo sich nun zu den üblichen Touristenmassen die Unmengen von mitziehenden Besucher des Dreikönigzugs gesellen.

Aber die Stadtkulisse ist hier dem Anlass in jeder Hinsicht angemessen. Durch die Barockgassen der Kleinseite zieht man nun über die Karlsbrücke. Von dort geht es durch die enge Karlova zum Endpunkt des Zuges, dem Weihnachtsmarkt auf dem Altstädter Ring (Staroměstské náměstí).

Dort wartet eine aufgebaute Bühne auf die „Karawane“, wo zunächst einmal der Prager Erzbischof Dominik Duka die Menschen mit einer Rede empfängt und anschließend die wohl schönste Weihnachtsmesse des Landes, die Böhmische Hirtenmesse von Jakub Jan Ryba gespielt wird. So war es jedenfalls das letzte Jahr. Die Musik ist so schön, dass man die Kälte (gegen die man sich auch ein wenig mit einem auf dem Markt gekauften Glühwein schützen kann) fast völlig vergisst. Da zu dieser Zeit bereits die Sonne untergeht, sind die Lichteffekte umwerfend – und dann ist da die Kulisse der Altstädterrings und der Teynkirche! Um nichts in der Welt möchte man das mehr vermissen. (DD)

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