Fortschrittlicher Freidenker

Seit dem 8. April 1964 steht sein Denkmal hier. Das war nämlich sein 50. Todestag und der Stadtteil Smíchov wollte damit seinen großen Sohn ehren, den Schriftsteller und Publizisten Jakub Arbes, der hier einen Großteil seines Lebens verbrachte.

Der gehörte zu den vielseitigsten Schriftstellergenies seiner Zeit. Als Schüler des ungleich berühmteren Jan Neruda hatte er einen Hang zu Zeitkritik, gab eine Satirezeitschrift heraus und veröffentlichte eine Reihe von Romanen und Erzählungen, die oft politisch oder religionskritisch waren, und sich in den Genren von Schauerroman oder frühem Science Fiction bewegten. Berühmt wurde seine Geschichte Das Gehirn Newtons (Newtonův mozek) aus dem Jahre 1877. In ihr nahm er bereits viele Elemente von H.G. Wells‘ berühmten (und später verfilmten) Zeitreiseroman Die Zeitmaschine von 1895 vorweg.

Und dann war er noch der Erfinder einer besonderen, sehr tschechischen Literaturgattung, dem Romanetto. Die liegt im Umfang zwischen Roman (das Wort ist ja eine entsprechende Verkleinerung) und Erzählung. Seine Themen waren meist vermeintlich paranormale oder religiöse Phänomene, die sich am Ende rational auflösen sollten. Keine Frage: Der Mann war durch und durch ein fortschrittlicher Freidenker.

Sein Denkmal auf dem schönen, nach ihm benannten Arbesovo náměstí (Arbes Platz) schuf der Bildhauer Jan Černý. Der Platz hieß natürlich zu Arbes‘ Lebzeiten noch nicht so. Als er um 1860 als kleine Parkanlage angelegt wurde, hieß er Kirchplatz (Kostelni) und ab 1895 Jakubské. Das hatte beides etwas damit zu tun, dass hier zuvor eine kleine Gemeindekirche stand (ein im 18. Jahrhundert barockisiertes mittelalterliches Gebäude), die Kirche der Heiligen Philipp und Jakob (Kostel svatého Filipa a Jakuba). Die wurde im späten 19. Jahrhundert für die Gemeinde zu klein, da Smíchov damals zu den aufstrebendsten und am schnellsten wachsenden Industrievierteln der Stadt gehörte. 1891 riss man sie ab und ersetzte sie durch die in der Nähe gelegene neue Kirche des Heiligen Wenzel (Kostel sv. Václava), über die wir bereits hier berichteten, und die wesentlich größer war. Dass sein Denkmal nun eine Kirche ersetzte, hätte den antiklerikalen Arbes vielleicht mit Schadenfreude erfüllt. (DD)

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