Pestsäule mit großem Heiligenaufgebot

Die letzte große Pest in Prag brach 1713 über die Stadt herein und kostete zehntausenden Pragern das Leben – ein Schreckensereignis, das die Menschen noch lange traumatisieren sollte. Die Überlebenden errichteten aus Dank für das Überleben an mehreren Stellen (zwei frühere Beiträge hier und hier) sogenannte Pestäulen – Monumente, mit denen man Gott für seine Gnade dankte.

Die riesige Pestsäule der Jungfrau Maria (Mariánský morový sloup) auf dem Burgplatz (Hradčanské náměstí) ist nicht nur aufgrund ihrer Höhe (die Marienstatue auf der Spitze ist über 2 Meter hoch) bemerkenswert. Sie ist auch stilistisch von den anderen, meist sehr überladen barocken Pestsäulen unterschieden, da sie mit Ausnahme der Statuen mit wenig Ornamentik und wenig überbordender Ästhetik auskommt. Sie wirkt ein wenig strenger als die anderen Pestsäulen in Prag.

Das hat möglicherweise etwas mit dem späten Zeitpunkt ihrer Aufstellung zu tun. Während die meisten Gedenksäulen zur Pest von 1713 unmittelbar nach dem Abebben der Seuche errichtet wurden, litt zu diesem Zeitpunkt der zuständige Stadtteil Hradčany an Geldmangel und konnte sich eine solche Säule nicht leisten. Erst 1725 sprang Kaiser Karl VI. ein und genehmigte eine Säule, die die Stadt allerdings erst 1736 fertigstellte. Das war reichlich spät und ein wenig hatte sich in diesem Zeitraum auch der Kunstgeschmack verändert. Deshalb sieht sie eben auch ein wenig anders aus als die anderen – früher erstellten – Pestsäulen.

Bis 1728 arbeitete der Bildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff, dem wir viele der Heiligenfiguren auf der Karlsbrücke verdanken, an den Statuen, die die Pestsäule zieren. Nach dessen Tod setzte sein Kollege Ignác František Weiss die Arbeit bis 1731 kongenial fort. Die schlichte korinthische Säule wurde nunmehr von Heiligenfiguren gechmückt: Auf der Spitze steht die Jungfrau Maria. Am Fuß der Säule sind die in Böhmen besonders verehrten Heiligen Wenzel, Veit und Adalbert zu sehen. Eine Ebene tiefer auf dem Sockel befinden sich die Heiligen Karl Borromäus, Nepomuk, Florian, Petrus, Paulus und die Heilige Elisabeth von Thüringen, die die gerade mildtätige Almosen verteilt (großes Bild oben).†††††

Ein solches Aufgebot an Mega-Heiligen scheint in der Tat eine kraftvolle Wirkung zu entfalten. Die Pest ist jedenfalls nicht mehr zurückgekommen. (DD)

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