Frieden auf dem Friedensplatz

Frieden – so steht es auf dem Sockel dieser lebensgroßen Statue. Manchmal wird sie auch Dívka s holubicí (Mädchen mit der Taube) genannt, aber auf dem Sockel wird sie eindeutig als Allegorie des Friedens (Alegorie Míru) bezeichnet.

Das passt auch zu dem Ort, auf dem sie seit 1979 steht, dem Náměstí Míru – zu Deutsch: Friedensplatz. Das ob des Friedens unbesorgt freudig eine Taube auf seiner Hand haltende Mädchen aus Bronze ist das Werk des akademischen Bildhauers Jiří Kryštůfek. Das Bild des jungen Mädchen wirkt zweifellos sympathisch (vielleicht sogar bis an die Grenze des Kitsches) und bedient sich recht offen der klassischen christlichen Bildersprache von der Taube als Friedensbotin.

Als die Figur aufgestellt wurde, befand sich das Land unter kommunistischer Herrschaft, aber im Zeitalter der Entspannungspolitik. Die Sowjetmacht versuchte den Westen zu einseitigen Abrüstungsmaßnahmen zu überzeugen, um nicht ganz ins Hintertreffen zu geraten. Deshalb mögen christliche Symbole dieser Art erlaubt worden sein, obwohl sie eigentlich der materialistischen Parteiideologie widersprachen. Sie mögen wohl für die Friedensbewegungen im Westen, die sich damals oft naiv vor den sowjetischen Karren spannen ließen, überzeugend gewirkt haben. Das ging mit solcher Symbolik bei der Außendarstellung besser als mit dem zuvor gepflegten Kult der revolutionären Gewalt. Aber das ist nur eine Mutmaßung.

Kryštůfek war jedenfalls kein sturer kommunistischer Staatskünstler, sondern gab sich auch experimentelleren Kunstformen hin, etwa der Pop-art. Er erwarb sich später internationales Renommee auch im westlichen Ausland.

Vielleicht hat die milde und so unkommunistisch und unmartialische Darstellung auch ihren Grund darin, dass dies ein Ort der Trauer ist. Die Besucher, die heute über den Platz schlendern ahnen nicht, dass im Mai 1945 hier an diesem Ort, direkt vor der Ludmillakirche, einige sowjetische Soldaten vorläufig beerdigt worden waren, die gegen die Nazis gekämpft hatten und dabei getötet wurden. Wenn man daran denkt, gewinnt das Wort Frieden erst richtig seine Bedeutung.

Ach ja, und eine Ironie der Geschichte: Die Kommunisten benannten den Platz 1948 „Friedensplatz“, weil sie damit den vermeintlich anti-imperialistischen und friedvollen Charakter ihrer Ideologie ausdrücken wollten. Sie knüpften äußerlich an die Zeit von 1923-33 an, in der der Platz schon einmal denselben Namen trug (zwischendurch hatten ihn die Nazis in „Reichsplatz“ umgetauft). Damals bezog sich der Namen indes auf die Versailler Friedensordnung nach dem Ersten Weltkrieg, die der Tschechoslowakei die Unabhängigkeit brachte. Die wurde allerdings von den Kommunisten als imperialistisch-bourgeoises Teufelwerk erachtet. Der Name blieb also, aber seine Bedeutung änderte sich. Was Frieden bedeutet, war im Laufe der Geschichte wohl immer eine sehr ideologische Frage. (DD)

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