Runde Festung

Umringt von monströsen Plattenbauten befindet sie sich mitten in einem kleinen, fast schon verloren wirkenden Parkidyll: die Festung Chodov (Chodovská tvrz). Sie ist eine kleine historische und architektonische Attraktion ersten Ranges, die man hier in der Ledvinova 86/9 im – ansonsten eher nicht so ansehnlichen – südlichen Stadteil Chodov (Prag 11) nicht erwarten würde. Man möchte fast von einer „runden Sache“ kalauern.

Die hübsche barocke Rundfestung, die man hier heute sieht, stand hier nicht immer. Im 14. Jahrhundert wurde an der Stelle zunächst eine kleine Wasserburg mit Graben erbaut, deren kleines Tor mit seinem charakteristischen gotischen Spitzbogen heute als Nebeneingang erkennbar ist.

Der alte Burggraben ist heute zugeschüttet und auch wasserlos. Nur bei dem alten Eingang hat man eine Vertiefung mit Holzbrücke angedeutet, um einen Eindruck vom Originalbau zu vermitteln.

Die Burg gehörte ursprünglich zu einem Kloster des
Ordens der Ritter vom Heiligen Grab zu Jerusalem, das sich in der Nähe befand, wurde aber 1420 von den Hussiten erobert, die sie erst einmal der umliegenden Gemeinde übergaben. Von da ab gab es immer wieder neue Besitzer, die das Gebäude auch immer wieder umbauten – zuletzt im 17. Jahrhundert im Barockstil.

1676 wurden wieder Ordensbrüder die Besitzer, diesmal die Benediktiner. Sie gestalteten in den Jahren 1687-97 bei einer völligen Runderneuerung die runde Festung zu einem Schloss um, wozu die festen Mauern für Fenster durchbrochen wurden. Auch der neue große – sehr barocke! – Eingang war Teil dieser Umgestaltung. Obwohl man klar die ursprüngliche Festungsarchitektur erkennen kann, ist das Gebäude dadurch wesentlich wohnlicher und „zivilistischer“ geworden.

Dadurch eignete sich das Ganze zunehmend zum wohnlichen Adelssitz. Als die Benediktiner die Festung 1727 verkauften, ging sie an die Adelsfamilie Goltz, die das Anwesen 1801 an die Familie Korb von Weidenfels verkauften. Zu dieser Zeit fand man das Barockdesign nicht mehr so recht „trendy“. Folglich wurde die Fassadengestaltung etwas klassizistischer im Sinne des Biedemeier angelegt als zuvor und der dazu passende Arkadenhof im Inneren wurde hinzugefügt. Das geschah so behutsam, dass der Grundcharakter des Gebäudes erhalten blieb.

1923 ging das ganze Areal in den Besitz der Stadt über. In den Zeiten de Kommunismus setzteerwartungsgemäß der allmähliche Verfall ein. Chodov wurde unter ihnen 1968 zu Prag eingemeindet und Schloss und Gelände wurden einem staatlichen Bauernhof zugeschlagen. In den frühen 1980er Jahren befand es sich in einem so deplorablen Zustand, dass man den Abriss erwog – eine Schreckenstat, wenn man die Einigartigkeit der Baugeschichte erwägt!

Das tat man am Ende dann doch nicht. 1984-88 renovierte der Architekt Miroslav Burian das Schloss. Auch der Park wurde neu gestaltet. Seither ist die alte Festung für den Stadtteil das Kulturzentrum, wo Ausstellungsräume, ein Heimatmuseum und kleine Konzertsäle für ein umfangreiches und gutes Kulturprogramm sorgen, inklusive eines kleinen gepflegten Restaurants. Die Festung wird so zu einem Lichtblick in der ansonsten eher trüben Umgebung. (DD)

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