Barock für Prosper

Ein wenig gruselig ist er schon, der in Österreich, Süddeutschland und Böhmen verbreitete Brauch, in Kirchen im prachtvollem Ornat gekleidete Skelette von Heiligen in Glassärgen auszustellen. Deshalb dieses Foto, das irgendwie gut zum heutigen Halloweentag passt! Der Verblichene, der hier mit feinem Schleier überzogen aus seiner durchsichtigen Gruft schaut, befindet sich in der Kirche der Dreifaltigkeit (Kostel Nejsvětější Trojice) in der Spálená 81/6 in der Prager Neustadt.

Es handelt sich um die Gebeine des Heiligen Prosper, von dem über seinen Märtyrertod hinaus anscheinend nicht viel bekannt ist, und dessen Kirchenkalendertag am 13. März begangen wird. In der barocken Dreifaltigkeitskirche hat er jedenfalls eine schöne und würdige Ruhestätte gefunden.

Die Kirche wurde in den Jahren von 1708 bis 1713 für den Trinitarierorden auf dem Gelände eines aufgelassenen jüdischen Friedhofs erbaut. Das Geld dafür hatte der Oberste Münzmeister des Böhmischen Königreiches, Johann Ignaz von Putz, gespendet. Der ließ sich das etwas kosten, denn die Entwürfe stammten von dem Architekten Ottavio Broggio und als Baumeister fungierten Christoph Dientzenhofer und Johann Georg Eichbauer – kurz gesagt: die damaligen Meister des böhmischen Spätbarock waren involviert!

Im Zuge der Klosterreform Kaiser Josephs II. wurde das Kloster 1783 aufgehoben und die Kirche geschlossen, um im nächsten Jahr als Gemeindekirche wiedereröffnet zu werden. In den 1980er Jahren entstanden durch den Bau der Metro (Linie B) schwere Bauschäden. Das Gebäude war einsturzgefährdet, sodass es eine eine zeitlang geschlossen wurde und man sogar über einen Abriss nachdachte. Dieser Akt der Barbarei passierte gottlob nicht. Stattdessen stellte man sie 1992 unter Schutz und begann umgehend mit einer umfassenden Renovierung, die 2004 vollendet wurde. Seither erstrahlt die Kirche wieder in ihrem alten Glanz.

Im Jahre 2006 wurde das Gotteshaus der örtlichen Gemeinde der Griechisch-katholischen Kirche in der Slowakei überlassen, die es wiederum ab und an für Gottesdienste der Ukrainischen Griechisch-Katholischen Kirche zur Verfügung stellt. Beide Kirchen gehören formell zur Katholischen Kirche, pflegen aber im wesentlichen den Ritus der Orthodoxen Kirchen. Anders als in genuin katholischen Kirchen kann man hier noch bisweilen Gottesdienste im alten Kirchenslawisch besuchen.

Bei der Kirche handelt es sich um ein besonders einfaltsreich konstruiertes Bauwerk des Barock mit einem fast quadratischen Innenraum, den in der Mitte eine Kuppel krönt, die außen bis auf eine kleine Laterne kaum sichtbar ist. Die Fresken sind das Werk des Malers Anton Schlachter, von denen viele bei einer Restauration 1879 überarbeitet und erneuert wurden. Der Hauptaltar ist wiederum das Werk des Malers und Bildhauers Franz Anton Maulbertsch, der hier in verschiedenen Formen das Thema der Trinität aufgriff, das der Kirche den Namen gab.

Darüber sollte man andere kleine Sehenswürdigkeiten nicht vergessen. Dazu gehört unter anderem ein Taufbecken aus dem Jahre 1552, das damals aus einer aufgelösten anderen Kirche herangeschafft worden war. Oder die um 1770 entstandene Kanzel mit ihren polychromen Holzschnitzereien. Und auch die Seitenaltäre mit ihren Barockgemälden sind sehenswert. Hübsch ist auch die Orgel aus dem Jahre 1894, die seinerzeit eine ältere Orgel aus dem späten 18. Jahrhundert ersetzte. Den Heiligen Prosper hätte es schlimmer treffen können als hier zu ruhen. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s