Le Corbusiers Schüler

Der Stadtteil Vinohrady wurde Ende des 19. Jahrhunderts erschlossen und die Bebauung war im wesentlichen in den 1920er Jahren abgeschlossen. Man findet jeden Architekturstil von Historismus über Jugendstil zum Kubismus. Nur der Funktionalismus ist wenig vertreten. Das Haus ganz am Rande des Stadteils in der Perucká 2247/18 macht dies jedoch mehr als wett. Prag à la Corbusier könnte das Motto lauten.

Es handelt sich um die Villa Eisman, die in den Jahren 1930-32 von dem Architekten Karel Stráník entworfen wurde. Der war einer der begabtesten Schüler und Mitarbeiter von eben keinem Geringeren als Le Corbusier, dem Großmeister der modernen Architekur, der seinen Schüler als „lebendig, intelligent und klug“ bezeichnete. Immerhin!

In der Tat tragen die sehr strenge geometrische Kombination von rechteckigen Quadern und dem zur Straße ragenden abgerundeten Treppenhaus, sowie die glatten Flächen und die großzügige Verglasung im Treppenhaus viele Charakteristiken des Corbusierschen Stils.

Gebaut hat Stráník das Haus für den Unternehmer Josef Eisman, der in den 1920er Jahren eine überaus erfolgreiche Firma für Elektromotoren, Ventilatoren und Leuchten gegründet hatte. Berühmter wurde jedoch ein späterer Bewohner, nämlich der seinerzeit in der Tschechoslowakei sehr berühmte Filmschauspieler und Schriftsteller Jindřich Plachta, der sich zwischen 1926 und 1951 in über 100 Filmen in die Herzen der Zuschauer spielte, und obendrein Kinderbücher verfasste. 1984 wurde zu seinem Gedenken eine Plakette mit einem Profilrelief des Künstlers angebracht, die ein Werk des Bildhauers Vendelín Zrůbecký ist.

Hinter dem Haus befindet sich ein kleiner Garten, der heute üppig bewachsen ist. Unglücklicherweise ist der größte Teil des Hauses heute von Betriebsanlagen und Bürogebäuden der Prager Müllentsorgungsbetriebe Komwag umgeben. Die schöne Aussicht ins Tal der Botič, die Eisenman und Plachta dereinst genossen, ist stark reduziert. Das gilt auch für den äußeren Gesamteindruck der ansonsten in gut renoviertem Zustand befindlichen Villa. Er kommt optisch nicht mehr so zur Geltung, wie er es aus architekturhistorischen und künstlerischen Gründen verdient hätte. (DD)

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