Café Myšák: Verzicht ist keine Option

Vor einiger Zeit hatten wir hier über das Café/die Konditorei Myšák in der Vodičkova 710/31 (Neustadt) berichtet und uns dabei hauptsächlich mit dessen grandioser kubistischen Hausfassade beschäftigt. Die ist in der Tat bemerkenswert, aber eigentlich interessiert bei einem Café meist doch eher, was es drinnen so zu sehen und vor allem zu genießen gibt.

Um es für die Kulinariker unter den Lesern spannend zu machen, beginnen wir erst einmal mit der Inneneinrichtung. Im ersten Stock befindet sich der Hauptraum des Cafés mit Kuchentheke und vielen Sitzen für Kaffee-und-Kuchen-Genießer. Schon der Aufgang durch das Treppenhaus zeigt das Bestreben des Innenarchitekten, Helligkeit und klare Formen walten zu lassen – ein Eindruck, der sich im Raum selbst fortsetzt, wo er durch viele Spiegel an den Wänden noch verstärkt wird.

Während die Fassade in dem für die 1920er Jahre typischen Rondokubismus (in der Architekturgeschichte eine ganz eigentümlich tschechische Spezialität!) gehalten ist, d.h. sie nutzt die für den Kubismus typischen geometrischen Elemente für eine eher ornamentreiche und folklorische Formensprache, setzt die Innenarchitektur des Cafés ganz im Sinne des klassischen Kubismus und des Art Déco voll auf die Eigenwirkung klarer und strenger Geometrien.

Ganz im Gegensatz zu Fassade und erstem Stock wurde wiederum der kleine Raum des Cafés im Erdgeschoss im Stil des Neo-Rokoko gestaltet. Man sieht Rocaillen noch und noch und dazu ein putziges allegorisches Deckengemälde, das in eine Kartusche eingefasst ist. Vermutlich gehört es in dieser Form nicht zur Originaleinrichtung, sondern ist eine Nachempfindung aus der Zeit der Renovierung des Gebäudes im Jahre 2009).

Diese schnörkelige Gestaltung prägt den ersten Eindruck, wenn dann das Myšák im Erddgeschoss betritt. Um so wuchtiger kommt die Strenge der Architektur des ersten Stocks zur Geltung, wenn man die Treppe hinauf in den Hauptraum aufsteigt.

Doch nun endlich zur Kulinarik: Um es vorwegzunehmen, die lässt nichts zu wünschen übrig. Es gibt eine kleine, aber ausgesprochen Auswahl von Kuchen und Torten, die es in sich hat. Wer am typisch deutschen Schlankheits- und Gesundheitswahn leidet, sollte fernbleiben, denn weiß man noch um die Kraft der wirklichen Geschmacksträger Zucker, Butter und Sahne.

Chefkonditor Lukáš Pohl sieht sich dem Erbe des Cafégründers,
 František Myšák, verpflichtet. Der war in den Zeiten der Ersten Republik der vielfach preisgekrönte internationale Star unter den Konditoren Prags – wenn nicht gar Europas – schlechthin. Wer was auf sich hielt, aß dort seinen Kuchen. Der erste Präsident der Republik, Tomáš Garrigue Masaryk, war Stammkunde.

Und auch Pohls Leistungsnachweise mit Tätigkeiten in Spitzenkonditoreien in aller Welt, etwa in New York, können sich sehen lassen. Er versucht, die alten Rezepte Myšáks wieder zu rekonstruieren (vieles ging in den Zeiten von Verstaatlichung und Kommunismus verloren) oder kongenial nachzuempfinden. Damals war noch schwere Kost angesagt. Wenn man ein besonders klein wirkendes Stück bestellt, kann die Kaloriendosis dem eines großen in anderen Cafés entsprechen – nur schmecken tut es himmlisch!!!

Ja, es gibt natürlich auch etwas moderner konzipierte Süßwaren. Die Karottentorte (das Wort klingt zumindest gesund) ist, zum Beispiel, äußerst delikat. Aber trotzdem sollte man mit der Grundhaltung ins Myšák eintreten, dass bekanntlich jede Diät morgen beginnt. Auch das vielfältige Angebot an Tee-, Kaffee- und Eisvarianten sollte man nicht übersehen. Verzicht ist keine Option im Myšák! (DD)

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