Krankenhaus in Neobarock

Seit 1854 werden hier kranke Menschen gepflegt, womit es zu den ältesten noch in Betrieb befindlichen Krankenhäuser Prag gehört: Das Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Karl Borromäus (Nemocnice Milosrdných sester sv. Karla Boromejského). Das Gebäude in der Vlašská 36 (Kleinseite) passt sich ästhetisch perfekt der Umgebung an. Diese Umgebung, das ist die Kleinseite unterhalb des Strahov Kloster; ein Areal, das vor allem in den Zeiten des Hochbarocks erschlossen und bebaut wurde (das Lobkowicz Palais – heute die deutsche Botschaft – befindet sich ganz in der Nähe). Bevor die Kongregation der Barmherzigen Schwestern das Gelände im Jahre 1842 kaufte, standen hier vor allem Wirtschaftsgebäude der umliegenden Güter aus dem 16./17. Jahrhundert.

Der Architekt Adalbert Gudera legte 1851 die Pläne für das Gebäude vor, das dann drei Jahre später realisiert wurde. Der Bau mit der dazugehörigen Kirche wurde ein Beispiel für einen sehr zurückhaltenden und wenig ornamentalen Neo-Barockstil, der sich zugleich in das architektonische Umfeld einpasst und die Nüchterneheit von Krankenhausarchitektur ausstrahlt. Kommt man von unten die Vlašská hinauf (oder blickt von oben hinab), fällt einem gar nicht auf, dass das Gebäude, das 1893 noch einmal im gleichen Stil erweitert wurde, fast 200 Jahre jünger ist als die umliegenden.

Zu dem für ein Krankenhaus ungewöhnlich stattlichen Anblick trägt natürlich auch die zugehörige Kirche bei. Die Kirche des Heilgen Karl Borromäus (Kostel sv. Karla Boromejského) war von Anfang integraler Teil des ja schließlich von Ordensschwestern betriebenen Krankenhauses. Die Schwestern wurden allerdings im August 1952 auf Geheiß der herrschenden Kommunisten hinausgeworfen. Das Krankenhaus wurde verstaatlicht. 1962 wurde auch die Kirche desekriert und in einen Lagerraum verwandelt.

Dies geschah im Zuge von Modernisierungsmaßnahmen, die bis heute das im Vergleich zum Äußeren optisch recht karge Innere des Krankenhauses prägen. Das Krankenhaus selbst hat übrigens auch unter Medizinern einen guten Ruf und giltals eines der besseren in Prag.

1990 wurden Krankenhaus und Kirche dem Orden restituiert. Ein paar bleibende Schäden hat das Gebäude schon durch die lange Zeit kommunistischen Misswirtschaft genommen. Der Innenraum der Kirche strahlt keine barocke Pracht mehr aus. Aber auch ohne barocke Ornamentik wirkt der Raum sehr beeindruckend und hell, jedenfalls entspricht das Ganze wieder ganz und gar dem Zweck als Gotteshaus. Dazu trug auch die sorgfältige Renovierung Ende der 1990er Jahre bei.

Immerhin ist das barocker Kunst nachempfundene Deckengemälde mit der Jungfrau Maria erhalten und renoviert worden.

Und wenn man sich ein wenig vor dem Eingang umschaut, findet man dann im Vorhof auch tatsächlich ein Stück echter Barockkunst, das so aussieht, als ob es schon immer dazu gehört hätte.

Die Bildhauer Johann Brokoff und Ferdinand Maximilian Brokoff (Sohn des Erstgenannten) hatten die Skulptur der Schmerzensmadonna zu Beginn des 18. Jahrhunderts für die Karlsbrücke geschaffen. 1859 wurde sie aber in den Hof des Krankenhauses übergesiedelt, wo sie seither das harmonische Zusammenleben von echtem Barock und Neobarock vorleben. (DD)

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