Wenzel bei den Hufschmieden

IMG_9884

Durch die Kleinseite und hinauf zur Burg reitet er, der Heilige Wenzel. Die Beine des Pferdes wirbeln im Galopp. Aber irgendwie hängt da ein Hufeisen im Wege. Ja, heute ist der Tag des Heiligen Wenzels – ein eigentlich kirchlicher Feiertag, der aber hierzulande (weil Wenzel ja auch ein regierender Fürst war) ganz säkular als Tag der tschechischen Staatlichkeit gefeiert wird. IMG_9883Es ist die Gelegenheit, eine der vielen originellen Wenzeldarstellungen in Prag vorzustellen.

Von denen gibt es nicht wenige, denn der von seinem Bruder ermordete Herrscher aus dem 10. Jahrhundert erfreut sich immer noch als Nationalheiliger großer Beliebtheit. Der Ausschnitt hier findet sich auf einer schönen barocken Kartusche über dem Eingang eines Hauses in der Nerudova 220/34 auf der IMG_3028Kleinseite direkt unterhalb der Burg..

Es handelt sich um das sogenannte Haus zum Goldenen Hufeisen (dům U Zlaté podkovy). Ursprünglich stand hier ein gotisches Gebäude, das beim großen Feuer auf der Kleinseite 1541 zerstört und danach im Renaissancestil wieder aufgebaut wurde. 1728 erfolgte – wie bei vielen Gebäuden in diesem Stadtteil – eine umfassende Barockisierung. Auch spätere Renovierungen veränderten den barocken Grundcharakter des Hauses nicht mehr.

Warum aber wurde mitten in die Kartusche mit dem im barocken Herrscherornat dargestellten Wenzel und direkt vor dem linken Fuß des Pferdes, auf dem er reitet, ein vergoldeter Huf angebracht. Zudem hängt darunter noch einmal ein etwas größerer Huf im Eingang. Das hat etwas mit der Straße zu tun, in der sich das Haus befindet. IMG_3026Die heißt heute Nerudova, weil etwas weiter oben das Haus steht, in dem der größte Sohn der Straße, der Schriftsteller Jan Neruda, aufwuchs (über das Haus berichteten wir hier). Aber vorher hieß die Straße anders, nämlich Ostruhová bzw. auf Deutsch: Sporrengasse. Hier waren im Mittelalter und in der frühen Neuzeit die Sporen- und Hufschmiede ansässig. Die Kartuschen über dem Eingang dienten auch dazu, das im Hause betriebene Gewerbe zu bewerben. Und so ließ man halt den Heiligen Wenzel gleichzeitig für einen Hufschmied werben. Eine ganze Straße voller Hufschmiede braucht man in der Zeit des Autos nicht mehr, weshalb sich heute in diesem Gebäude nicht Pferde, sondern die Gäste eines Restaurants tummeln. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s