Der schönste Aufstieg zur Burg

Weil sie nur von einer kleineren Nebenstraße abseits der Haupttouristenwege betretbar sind, finden die sogenannten Palastgärten am Fuße der Burg auf der Prager Kleinseite bisweilen nicht ganz die Beachtung, die sie verdienen. Das gilt besonders für den unvergleichlichen Großen Fürstenberg Garten (Velká Fürstenberská zahrada).

Wie die anderen Palastgärten gehört er zu einem der vielen fürstlichen Anwesen auf der Kleinseite, in diesem Fall zum Palais Fürstenberg an der Valdštejnská  153/3. Er ist der östlichste der Gärten und diente früher hauptsächlich als Obst- und Weinberg, was man heute noch erkennen kann. Aber heute blühen dort tausende Rosen und andere Blumen.

Der Garten, der in der Renaissance des 16. Jahrhunderts unten begann und sich dann immer weiter hangaufwärts erweiterte, bis er 1674 an die Burg stieß, erhielt seine heutige Gestalt im wesentlichen während des barocken Umbaus des Palais durch Václav Kazimír Graf Netolický. Im Zuge des Umbaus entstand in den Jahren 1743 bis 1760 der große Terrassengarten, dessen Stufen sich von einem Ausgangspunkt im Süden schräg erweitern.

Optisch sehr wirkungsvoll durchschnitten wird das Ganze durch eine vertikale Mittelachse in Form eines prachtvollen Treppenaufgangs. Der endet oben bei einem kleinen zweistöckigen Pavillon. Dieses Pavillon wird bisweilen dem Barockarchitekten Johann Ignaz Palliardi  zugeschrieben, aber gesichert ist das jedoch nicht, zumal das ausgesprochen hübsche Gebäude bereits starke Elemente des nachbarocken Klassizismus aufweist. Der verleiht dem Ganzen – vor allem an sonnigen Tagen – ein geradezu italienisches Flair…

1822 kaufte Karl Egon II. Fürst zu Fürstenberg – heute der Namensgeber – das gesamte Anwesen. Der Fürst sah das Gartengelände eher unter wirtschaftlichen Aspekten und nutzte sogar Teile als Holzlager. Und etliches Gelände, das vorher bereits Ziergarten geworden war, diente nun wieder der Landwirtschaft, d.h. dem Wein- und Obstanbau.

Unter seinen Nachfahren wurde der Garten unter der Leitung des Hausarchitekten Josef Liebel dann wieder primär zu einem Landschaftsgarten umgewandelt, wofür ihnen heute die Besucher dankbar sein müssen. Denn die Ästhetik des Terrassengartens ist ein wahres Erlebnis. Steigt man hinauf kann man zunächst dessen Magie bewundern und ist man oben beim Pavillon angekommen, genießt man eine der schönsten Aussichten Prags – über die Kleinseite hin zur Altstadt!

Dabei kann man auch sitzend einen gepflegten Kaffee zu sich nehmen, denn im Pavillon befindet sich ein kleines Imbiss-Café. Und außerdem ist der Gartenaufstieg (der in den Monaten April bis Oktober möglich ist) noch in einer anderen Hinsicht ein Geheimtipp. Für den ausgesprochen günstigen Eintritt von 50 CZK (= schlappe 2 Euro) bekommt man zugleich auch den mit Abstand schönsten und auch noch am wenigsten von Touristenmassen wimmelnden Aufstieg zur Burg geboten. Das ist ein Angebot, das man nicht ablehnen kann. (DD)

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