Kosmonauten in Háje

Oha! Sind Außerirdische bei der Metrostation Háje im Süden der Stadt gelandet? Mitnichten, denn die beiden zum Gruß winkenden Herren sind nicht vom Weltraum zu uns vorgestoßen, sondern von der Erde in den Weltraum. Was da seit dem Jahr 1978 vor der Station steht, ist die Skulptur der Kosmonauten (sousoší kosmonautů).

Die Raumflüge der Kosmonauten dieser Zeit dienten zwar auch der Propaganda für den real existierenden Sowjetsozialismus, aber sie waren dennoch so sehr wissenschaftlich verdienstvoll und es umgab sie schließlich auch so eine große Aura von Heldenmut und Pioniergeist, dass man sie immer noch in gutem Andenken hält. Deshalb steht das Denkmal hier, trotz seiner realsozialistischen Ästhetik. Und außerdem – so muss man hinzufügen – ist einer der beiden Kosmonauten kein geringerer als Vladimír Remek. Der war vom 2. bis zum 10. März 1978 in einer sowjetischen Sojus-Kapsel ins All gestartet und hatte einen Großteil des Fluges in der Raumstation Saljut 6 verbracht. Er war nicht nur der erste Tschechoslowake, der dies tat, sondern überhaupt der erst Nicht-Sowjetbürger und Nicht-Amerikaner im Weltraum. Bei den Tschechen genießt er daher einen ähnlichen Kultstatus wie bei uns „DDR“-Kosmonaut Sigmund Jähn, der im August des selben Jahres in den weiten Raum flog.

Wie in der Sojus-Kapsel teilt sich Remek auf dem Sockel des Denkmals den Raum mit dem Russen Alexei Gubarew. Schon kurz nach der Rückkehr der beiden Kosmonauten aus dem All schuf der Bildhauer Jan Bartoš die Bronzestatuen der beiden Raumfahrer in ihren Raumanzügen, die wir heute sehen. Remek steht links und winkt den Menschen zu, während er den anderen Arm auf die Schulter Gubarews legt, der wiederum die seine Hand dem an der Haltestelle wartenden Volk reicht. So muss sozialistische Brudervolkromantik aussehen.

Das Ganze gefiel den Tschechen nach dem Fall des Kommunismus immerhin noch so sehr, dass sie das Denkmal der beiden freundlich blickenden Kosmonauten am Orte stehen ließen, aber nicht so sehr, dass die die Metrostation weiterhin „Kosmonauten“ nannten. Sie heißt heute nach dem sie umgebenden Stadtteil Háje. (DD)

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