Zwei Astronomen in Prag

Zu den großen historischen Persönlichkeiten, die eine Zeit lang in Prag verweilten, gehören auch zwei Astronomen. Zwischen 1599 und 1601 war der Däne Tycho Brahe Hofastronom und Hofmathematiker von Kaiser Rudolf II., der sich als Förderer der Wissenschaften und Künste verstand. Brahe war zu diesem Zeitpunkt schon ein Astronom von Rang. Sein Verdienst lag in der Verfeinerung von Messmethoden und -instrumenten, wie etwa Quadranten zur Messung von Entfernungen.

Sein Domizil suchte sich Brahe in einer heute als besonders idylisch empfunden kleinen Gasse in der Nähe der Burg, die Nový Svět genannt wird, was soviel wie „neue Welt“ bedeutet. Er bezog das Haus Nový Svět 76/1, an dem heute zwei Plaketten (eine in Deutsch, eine in Tschechisch) zu seinem Gedenken angebracht sind.

In dem Haus, so wie es heute an diesem Ort besteht, hat er allerdings nicht wirklich gewohnt, denn sein Wohnhaus, das genau an dieser Stelle stand, wich schon Mitte des 17.Jahrhundert einem Neubau im frühbarocken Stil, der allerdings durch umfassende Umbauten in den Jahren 1831, 1886 und 1912 noch einmal stark verändert wurde.

Dem Gedenken tut das allerdings keinen Abbruch, wie die vielen Touristen, die hier jeden Tag vorbeikommen, sehen können. In den Zeiten des Kommunismus war das sogenannte dům U Zlatého noha (Haus zum Goldenen Fuß) ein wenig verfallen, aber inzwischen ist es frisch restauriert wieder auferstanden.

Noch berühmter als Brahe ist wohl Johannes Kepler, der damals noch in die Kategorie des vielversprechenden Nachwuchstalents fiel. Beide hatten sich 1600 kennen und schätzen gelernt. Brahe hatte auf das richtige Pferd gesetzt. Als Brahe 1601 überraschend starb, wurde sein junger Schüler umgehend der Nachfolger als Hofastronom (was übrigens damals die Funktion es Astrologen mit beinhaltete). Als er nach dem Tode Rudolfs II. nach Linz weiterzog, verfügte er über einen enormen Ruhm. Dazu trugen natürlich seine wissenschaftlichen Arbeiten bei, wie das zwischen 1618 und 1621 Epitome Astronomiae Copernicae („Abriss der kopernikanischen Astronomie“), das neue Beweise für das heliozentrische Weltbild lieferte. Seither glauben nur noch wenige, dass sich die Sonne um die Erde dreht.

Ein wenig oberhalb des Hauses in der Nový Svět befindet sich seit 1984 ein Denkmal (großes Bild oben), auf dessen Sockel die beiden großen Astronomen wieder zusammengefunden haben. Die Doppelstatue ist das Werk des Bildhauers Josef Vajce und der Architekt Vladimír Pýcha entwarf den Sockel dazu. Die Astronomen stehen am Rande der Parléřova 118/2 im Burgbezirk (Prag 6) vor einer Bildungseinrichtung, die nach einem der beiden benannt ist, dem Gymnázium Jana Keplera (Johannes-Kepler-Gymnasium). Beide haben ihre Messgeräte gezückt, um weiter die unendlichen Weiten des Weltraums zu erkunden. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s