Pestsäule mit Selbstportrait des Künstlers

Die Statue Johannes des Täufers steht im Mittelpunkt des überaus hübschen Malteserplatzes (Maltézské náměstí) auf der Kleinseite. Sie ist nicht nur eine einfache Heiligenstatue, sondern eine kleine Pestsäule.

Johannes ziert solche Säulen eher selten, denn meist wird entweder die Gottesmutter, die Dreieinigkeit oder der Heilige Rochus als Schutzpatron der Seuchenerkrankten abgebildet. Die Säule mit dem Heiligen Johannes wurde 1715 an dieser Stelle errichtet – zwei Jahre nach der letzten großen Pestseuche in Prag, die über 20.000 Menschen das Leben gekostet hatte. Sie befindet sich nicht weit der ungleich größeren Pestsäule auf dem Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí), die im gleichen Jahr aus gleichem traurigen Anlass aufgestellt wurde (siehe früheren Beitrag hier).

Die Skulptur aus Sandstein ist das Werk des Barockbildhauers Ferdinand Maxmilián Brokoff , der sie zusammen mit seinem Vater Johann Brokoff (der 1670 aus Regensburg nach Prag gekommen war) in dessen Atelier erstellte.

Johannes steht oben erhöht auf dem Sockel mit seinen klassischen Attributen, dem Banner und dem Lamm, das zu seinen Füßen liegt. Um den oberen Teil des Sockels herum stehen drei Engel. Jeder von ihnen hält eine ovale Tafel in der Hand, auf der entweder Lateinisch, Tschechisch oder Deutsch als Inschrift steht: „Unter denen, die vom Weibe geboren sind, ist kein Größerer aufgetreten, als Johannes der Täufer.“ (Bibelzitat Matthäus 11.11)

Dabei übersieht man gerne, sofern man es nicht vorher schon gewusst hatte, eine kleine und originelle Besonderheit der Skulpturengruppe. Bei einem der drei Engel, nämlich dem, der die Kartusche mit der tschechischen Inschrift in den Händen hält, hat sich der Bildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff selbst verewigt (Bild links). Jedenfalls gilt das Anlitz des Engels gemeinhin als Selbstprotrait des berühmten Künstlers, dem Prag – neben vielen anderen Kunstwerken (Beispiel hier) – etliche der berühmten Heiligenfiguren auf der Karlsbrücke verdankt.

Auf dem größeren unteren Sockelteil, das dreiseitig gestaltet ist, befinden sich auf jeder Seite Reliefs mit Szenen aus dem Leben des Heiligen Johannes des Täufers. Das endet ja bekanntlich schaurig und so sieht man am Ende das Bild seiner Enthauptung auf Wunsch der Prinzessin Salome, die mit ihrem lüsternen Tanz den judäischen Herrscher Herodes Antipas dazu bringt, Johannes köpfen zu lassen. Im Hintergrund des Reliefs sieht man sie immer noch tanzen, während der Henker gerade sein blutiges Werk abgeschlossen hat.

Ursprünglich stand der Sockel in einem Brunnen, aber der wurde schon im späten 19. Jahrhundert entfernt. (DD)

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