Stadtgeschichte des Feuers

Das moderne Prag würde vielleicht nicht so aussehen, wie es aussieht, hätte nicht ab und zu im Lauf der Geschichte Feuer alte Stadtstrukturen zerstört und Platz für neue geschaffen. Ob der Verlust an Menschenleben und Eigentum vom Fortschrittsgewinn aufgewogen wurde? Das ist eine knifflige Frage für Ethiker und Ökonomen. Dass das Feuer in Prag (und vielen anderen Städten) eine wichtige Rolle in der Stadtgeschichte spielte, ist jedoch unbestreitbar. Seit 2017 widmet sich daher ein Museum dieses Themas.

Das Museum Prag brennt (Praha hoří) in der Nové mlýny 827/3a (Neustadt) ist eine der Nebenstellen des Stadtmuseums von Prag (früherer Beitrag hier). Es befindet sich in dem alten Wasserturm, der bis 1877 die Brunnen der Umgebung mit einem regelmäßigen Wasserzufluss versorgte. Dabei beförderten zunächst Wasserräder, später moderne Pumpen Wasser aus der nahegelegenen Moldau in die Höhe des Turms, von der es dann kontrolliert abgelassen wurde. Der Turm ist schon sehr alt. Im 15. Jahrhundert stand hier ein Wasserturm aus Holz, der aber (trotz des Wassers) öfters abbrannte und im 17. Jahrhundert durch den heutigen Steinturm ersetzt wurde, der 2013 vom Stadtmuseum gekauft und renoviert wurde.

Der Turm, dessen Wasser auch eine Rolle im Kampf gegen Feuer spielte, bildet nur einen Teil der Ausstellung drinnen. Geht man die Treppen, die sich innen an der Mauer heraufwinden, bekommt man in jedem Stockwerk einen kleinen Abschnitt oder Aspekt der Geschichte der Feuer und Feuersbrunsten geboten. Die Räume im Kern des Gebäude sind winzig. Das und wohl auch die Lust am kreativen Denken haben dazu geführt, dass hier kein traditionelles Museum mit großen Originalstücken wie Feuerwehrautos zu sehen ist, sondern in reines Multimediamuseum!

Im ersten Stock erzählen zum Beispiel fiktive Betroffene auf Bildschirmen aus verschiednene Zeitabschnitten der Geschichte, wie sehr das Feuer ihre Existenz bedrohte oder wie mühsam (aber mit der Verbesserung der Technik auch immer weniger mühsam) die Feuerbekämpfung früher war. Es folgen auf anderen Stockwerken zum Teil recht spektakuläre Brandimitationen oder die Schilderung einzelner Brände – insbesondere der Brand des gerade erbauten Nationaltheaters im Jahre 1881.

Obwohl der Brand des Nationaltheaters damals Böhmen erschütterte und tief im Nationalgefühl traf, konnte der Brand immerhin an einem größeren Ausgreifen gehindert werden. Es gab schon eine wohlorganisierte Feuerwehr. Das war vor dem späten 19. Jahrhundert ganz anders. Das Feuer von 1541 zerstörte große Teile der Kleinseite und griff sogar auf den Burgdistrikt über, wo der Veitsdom Schaden nahm. Gelöscht wurde mehr oder minder in Privatinitiative – jeder schnappte sich einen Eimer und holte irgendwo Wasser, oft in Nachbarschaftshilfe. Das andere Ufer – die Altstadt – fiel 1689 einem großen Feuer zum Opfer, weil vom französischen König Ludwig XIV. (der den verfeindeten Habsburgern eins auswischen wollte) bezahlte Brandstifter ihr Werk gründlich verrichtet hatten. Das war das Ende der von Holzhäusern beherrschten Altstadt. Von nun an wurde in Stein (weil nicht leicht brennbar) gebaut. Und das waren längst nicht alle großen Feuerkatastrophen aus Prags Geschichte.

Oben angelangt kann man entweder beim Blick aus den Fenstern ein wunderbares Stadtpanorama genießen oder einen computerierten Zeitstrahl verfolgen, der gleichzeitig alle Brände chronologisch und das Wachstum der Stadt zeigt. Das Erfreuliche an dem Zeitstrahl ist, dass die destruktive Wirkung der Feuer ab dem 19. Jahrhundert immer geringer und die Bekämpfung der Feuersbrünste immer effizienter wird. Das war gleichermaßen die Folge des technischen Fortschritts als auch einer immer professionalisierteren Stadtverwaltung.

Ach ja, oben kann man nicht nur real aus dem Fenster schauen und die Aussicht auf Prag genießen, sondern auch virtuell durch nicht echte, aber von außen echt wirkende Ferngläser. Guckt man hinein, sieht man die sich vor einem ausbreitende Aussicht virtuell und verändert – etwa in Form von Prag nach einem durch Atombomben verursachten Brand (es hausen nur noch Affen dort) oder die Brandlegung durch Riesenroboter in ferner Zukunft. Nicht minder beeindruckend ist das realistische Szenario (kleine Bilder unten), das ein einfaches Feuer in einem nebenan befindlichen Gebäude darstellt. Das führt einem vor Auge, dass wir das Feuer zwar heute besser beherrschen als wir es etwa 1541 oder 1689 taten, aber eben doch nicht vollständig. Die Gefahr lauert weiter! (DD)

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