Städtischer Pferdehof

Noch bis in die Anfänge des 20. Jahrhunderts beherrschte das Pferd und nicht das Auto die Straßen Prags. Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Effektivität der Stadtverwaltungen im Stadtgebiet erhöht und die öffentlichen Dienstleistungen verbessert. Auch hier war das Pferd unverzichtbar, ob es um den Bau von Infrastruktur oder vor allem die Feuerwehr ging. Wenig erinnert noch an den öffentlichen Pferdebetrieb, wenn man durch das heutige Prag geht. Der etwas heruntergekommene alte Pferdehof in der Varšavská 200/12 in Vinohrady (Prag 2) ist eines der wenigen erkennbaren Beispiele.

Vinohrady wurde erst 1922 Teil Prags und unterhielt daher zuvor selbst umfangreiche öffentliche Dienstbetriebe. Der Gemeindehof (obecní dvůr) in der Varšavská wurde 1883 erbaut und 1898 noch ein wenig vergrößert. Es handelt sich um ein Gebäude im Neo-Renaissancestil. Die Gebäudestruktur (mit alten Läden, Werkstätten und Ställen) ist u-förmig und in der Mitte der Struktur steht ein separates zweistöckiges Haus, das den Hof in zwei Teile aufteilt, die durch Tore zu betreten sind.

Auf den beiden Toren findet man in Stuck jeweils das alte Wappen von Vinohrady und je einen Pferdekopf (großes Bild oben). Einem der Pferdeköpfe war übrigens der erste Beitrag dieses Blogs überhaupt gewidmet. Damals wusste ich allerdings noch nicht so recht, worum es sich bei dem dazugehörigen Gebäude handelte.

Im wesentlichen scheint der Gebäudekomplex der damaligen Feuerwehr von Vinohrady als Stall, Lager und wohl auch als Unterkunft von Bediensteten gedient zu haben. Die Ställe wirken recht eng und dunkel. Ob die den heutigen Tierschutzbestimmungen entsprachen? Wahrscheinlich nicht. Heute sieht man in Prag Pferde auf den Straßen nur noch in Form von einigen Droschken für Touristen im Bereich der Altstadt (Bild links). Die Pferde dort sehen im Vergleich zu denen in anderen Hauptstädten aber recht gepflegt und gesund aus (die Tschechen sind halt Tierfreunde), so dass man hoffen kann, dass sie in schöneren Ställen nächtigen.

Heute scheinen einige Kleinfirmen, von denen manche nicht mehr recht aktiv wirken, hier ihren Sitz zu haben. Das Ganze sieht etwas abgenutzt und desolat aus. Kürzlich hing eine Notiz in einem Fenster, dass hier bald eine Renovierung erfolgen könnte. Das wäre auch in hohem Maße wünschenswert, denn eigentlich ist dieses Gebäude eines der hübschesten und architektonisch interessantesten in der Varšavská. Und eben einer der Erinnerungsorte daran, wie alltäglich und wie wichtig Pferde dereinst für unser öffentliches Leben in unseren Städten waren. (DD)

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