Denkmal für die Freiheitskämpferin

Kaum eine Frau wird von denTschechen so verehrt. Und kaum eine hat diese Verehrung so verdient. Am Sněmovní-Platz, direkt neben dem Parlament, dessen Rechte sie bis zuletzt verteidigte, steht eines der vielen Denkmäler, die ihr im Land gewidmet sind.

In der Ersten Republik gehörte Milada Horáková zu den großen Vorkämpferinnen für die Frauenrechte in der noch jungen Demokratie. Als die Nazis das Land besetzten, schloss sich furchtlos dem Widerstand an und wurde ins Konzentrationslager verschleppt. Nur knapp dem Tode entronnen, kehrte sie 1945 nach ihrer Befreiung durch amerikanische Truppen aus Deutschland zurück, um beim Wiederaufbau der demokratischen Ordnung zu helfen. Sie zog ins Parlament ein und musste zusehen, wie sich schon 1948 die Kommunisten an die Macht putschten, um eine neues totalitäres Regime aufzubauen. Vehement verteidigte sie die Freiheitsrechte ihrer Mitbürger – bis 1950 die Kommunisten sie mit gefälschten Beweisen des Hochverrats beschuldigten und nach einem Schauprozess zum Tode verurteilen ließen. Trotz Folter ließ sie sich – im Gegensatz zu anderen Angeklagten des Prozesses – nicht zum Abschwören ihrer Anschauen bringen. Am 27. Juni 1950 – vor genau 69 Jahren – wurde sie trotz internationaler Proteste am Würgegalgen im Gefängnis von Pankrác hingerichtet.

Es gibt mittlerweile viele Gedenkorte für Milada Horáková (wir berichteten hier). Das besonders anrührende Denkmal beim Parlament wurde durch eine vom Rat des Stadtteils 1 initiierte Sammlung finanziert, die schon am ersten Tag rund 420.000 Kronen (16-17.000 Euro) einbrachte. Den Wettbewerb um den besten Entwurf gewann der Bildhauer Josef Faltus. Das von ihm gestaltete Denkmal wurde 2014 feierlich in Gegenwart vieler Bürger und hoher öffentlicher Würdenträger, aber vor allem auch Horákovás Tochter Jana Kánská, eingeweiht.

Das Denkmal zeigt eine Nachbildung des Pults, an dem Horáková bei ihrem Schlussplädoyer beim Schauprozess stand. Auf dem Mikrophon sitzt eine Lerche, die die Freiheit symbolisieren soll. Vor dem Denkmal ist im Boden eine Gedenkplatte eingelassen, auf der aus dem letzten Brief Horákovás aus der Todeszelle an ihre Tochter zitiert wird:

„Ich falle, ich falle, ich habe diesen Kampf verloren, ich gehe ehrlichen Gewissens. Ich liebe dieses Land, ich liebe dieses Volk, erbaut seinen Wohlstand. Ich gehe ohne Hass von Euch. Ich wünsche Euch das. Ich wünsche Euch … „

Der Abschiedbrief wurde der Tochter übrigens von den Kommunisten nicht ausgehändigt. Erst nach dem Sturz des Schreckensregimes 1989 wurde er gefunden und der Tochter übergeben. (DD)

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