Kafkas kubistisches Grab

Das am häufigsten besuchte Grab auf dem Neuen Jüdischen Friedhof (über den wir im letzten Beitrag berichteten) ist ohne Zweifel das des großen Schriftstellers Franz Kafka. Schon am Eingang ist es als einziges Grab mit Hinweisschildern versehen. Man findet es nahe der Friedhofsmauer (Grabstein Nummer 21 – 14 – 21).

Kafka wurde hier am 11. Juni 1924 beerdigt – acht Tage nach seinem Tod in einem Sanatorium im österreichischen Kierling. Sein Sarg war mit einem Zug nach Prag geschafft worden. Weniger als 100 Menschen nahmen an der Beerdigung teil – Freunde und Verwandte, aber kein großer amtlicher Würdenträger. Während der für seine düsteren existentialistischen Werke bekannte Schriftsteller heute zu den bedeutendsten Autoren der Weltliteratur gehört, war er unter den Zeitgenossen eher ein unbekannter Außenseiter. Heute würde eine Gedenkfeier für ihn anders aussehen.

Der Grabstein selbst wurde vom dem Architekten Leopold Ehrmann gestaltet. Es handelt sich um ein Werk in einem sehr strikten kubistischen Stil, basierend auf der Geometrie eines Kristalls, was häufig das zentrale Kernelement der Frühform des Kubismus bildete.

Unter dem Namen des Schriftstellers steht eine hebräische Inschrift, die dem jüdischen Grabinschriftenkanon mit seinen Segenswünschen weitgehend entspricht (Erläuterung hier) Es handelt sich um ein Familiengrab, in dem auch Kafkas Eltern ihre letzte Ruhestätte fanden, wobei Franz Kafkas Name oben steht. Seine Eltern überlebten ihn ja um Jahre und so war er der erste der Familie, der hier an dieser Stelle beerdigt wurde. (DD)

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