Das Denkmal für die Helden

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Am 27. Mai 1942 – heute vor 77 Jahren – unternahmen die beiden heimlich aus England eingeflogenen und mit dem Fallschirm im Feindesland  gelandeten tschechoslowakischen Offiziere Jozef Gabčík und Jan Kubiš ihr Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich. Der hatte in dem 1939 besetzten Land einer Terrorherrschaft ohne Beispiel errichtet. Heydrich erlag den Verletzungen eine Woche später. IMG_4624Er war der höchstrangige Nazi, der je einem Attentat zum Opfer fiel.

Den Kommunisten fiel die Ehrung dieser Helden des Widerstands nach dem Weltkrieg schwer, waren die beiden Attentäter doch von der im britischen Exil befindlichen bürgerlichen Regierung der Tschechoslowakei ins Land geschickt worden. Sie kämpften für die Freiheit des Landes und nicht für Unterdrückung unter neuem Vorzeichen. Man konnte aus ihnen schlichtweg keine kommunistischen Vorzeigehelden machen und verschwieg sie deshalb. Folglich dauerte es bis zur Samtenen Revolution von 1989 bis man die Tat gebührend würdigen konnte.

1989 begann man die Kirche, in der die beiden Attentäter und einige ihrer Mitstreiter zunächst Unterschlupf fanden, aber durch Verrat am 18. Juni 1942 nach langer Belagerung durch Nazitruppen den Heldentod erlitten, zum Nationaldenkmal auszubauen (wir berichteten hier). Auf ein großes Denkmal für die Helden musste man allerdings bis zu Jahr 2009 warten.

IMG_4634Es steht im Stadtteil Libeň (Prag 8), inmitten eines Autobahnzubringers. Das ist kein besonders schöner Ort, aber hier hatte 1942 das Attentat stattgefunden und die Autobahn gab es damals noch nicht. Dadurch fällt das Denkmal aber fast jedem Besucher Prags auf, dermit dem Auto von Norden aus in die Stadt kommt. Nähert man sich zu Fuß, kann man auf einer (leider nur in Tschechisch gehaltenen) Informationstafel etwas über Ablauf und Folgen des Attentats lernen.

Nach einer Ausschreibung im Jahr 2008 hatte die städtische Jury dem Team der Bildhauer David Moješčík und Michal Šmeral (Bronzeskulpturen) und Architekten Miroslava Tůmová und Jiří Gulbis (Sockel) den Zuschlag nach einem Wettbewerb gegeben, die das Werk im nächsten Jahr fertigstellten. Das Denkmal zeigt drei Menschen, die in waghalsiger Position auf dem hohen Sockel stehn, was die IMG_4630Gefahrensituation widerspiegelt, in der sich die Attentäter befanden. Zwei der Personen tragen die britische Uniform (wie die Attentäter sie im Exil getragen hatten), die dritte Person ist Zivilist, womit allen mutigen zivilen Widerstandskämpfern gedacht wird, die den Attentätern halfen und vielfach den Tod durch die Nazis fanden. Die Körperhaltung erinnert bewusst an Leonardos Darstellung vom Menschen als Maß aller Dinge, mit der er die Wissenschaft der Anthropometrie begründet hatte. Das wiederum spielt auf den Decknamen an, den die Geheimoperation damals trug: Anthropoid. Unter diesem Titel wurde die Geschichte des Attentats auch 2016 verfilmt. Der Grundriss des stählernen Sockels ist dreieckig und soll das blaue Dreieck in der tschechischen bzw. tschechoslowakischen Fahne symbolisieren.

DIe drei Skulpturen tragen übrigens nicht die Portraitzüge spezifischer Attentäter, sondern sind bewusst anonym gehalten. Damit wollte man auch alle die unbekannt gebliebenenen Helden ehren, die in den Jahren von 1939 bis 1945 im Widerstand gegen die Nazibesetzung ihr Leben ließen. (DD)

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