Rauchender Hund und Mozarts Handschrift

Es ist das einzige große nicht-staatliche Museum innerhalb der Burg. Tripadvisor bewertete es 2015 und 2016 als bestes Museum in Prag. Die Rede ist vom Lobkowicz Palais und seinem Museum. Der riesige Palast befindet sich an der östlichen Seite des Burgkomplexes und ist sein Eintrittsgeld mehr als wert!

Das Fürstengeschlecht der Lobkowicz gehörte über 700 Jahre zum höchsten tschechischen Hochadel, hatte sich stets mit den Habsburgern und der katholischen Kirche verbunden (mithin über Jahrhunderte auf der Siegerseite) und brachte immer wieder Familienmitglieder mit ausgeprägtem Kunstsinn hervor. Was mehr braucht man, um der Welt eine Kunstsammlung zu hinterlassen, die ihresgleichen sucht?

Aber die Familie hat auch Rückschläge hinnehmen müssen. Die Nazis konfiszierten die Schlösser der Familie (u.a. jenes, über das wir hier berichteten) und damit auch den schönen Palais in der Burg. Die Familie war republiktreu und diente da schon im Exil der Sache des Widerstands. Nach der Niederlage der Nazis gab die demokratische Regierung den Lobkowiczs 1946 ihre Besitztümer wieder. Doch 1948 ergriffen die Kommunisten die Macht und die Familie wurde wieder enteignet und floh ins amerikanische Exil. Erst nachdem die Kommunisten wieder vertrieben waren, wurde ihnen der Besitz 1990 wieder rückerstattet. Wie die meisten ihrer Sammlungen machten sie auch die im Palais nun der Öffentlichkeit zugänglich.

Die bekommt wirklich etwas zu sehen! Seit Jahrhunderten ließen sich die Mitglieder des Geschlechts nur von den größten, berühmtesten und besten europäischen Malern portraitieren – etwa Velasquez und van Dyck. Schon die Familienportraits alleine könnten andernorts eine repräsenativ ausgestattete Nationalgalerie würdig ausfüllen. Was sie nicht selbst für die Familie in Auftrag gaben, erwarben sie als gekonnte Kunstsammler. Einige Familienmitglieder malten sogar selber – und das mit durchaus beträchtlichem Talent!

Ein besonderer Raum ist den wichtigsten Familienmitgliedern gewidmet, mit denen sich die Lobkowicz schon früher als andere Adelsfamilien portraitieren ließen, nämlich ihren Hunden. Wie alle guten Tschechen – siehe hier – waren die Lobkowiczs immer Hundenarren. Jeder Hundefreund wird sofort das oben als großes Bild gezeigte, Ende des 17. Jahrhundert entstandene Portrait der familieneigenen Möpse Asinus (links) and Kokrle (rechts) lieben, die mit zu den ersten namentlich bekannten Hunden auf Bilddarstellungen gehören.

Nicht weniger putzig sind die Photos aus dem späten 19. Jahrhundert, die den Familienhund Nero zeigen. Dem hatte man zur Unterhaltung von Gästen beigebracht, Pfeife zu rauchen. In der heutigen Zeit strikter Rauchverbote ist das natürlich politisch inkorrekt. Die Familie stellt daher im Audiokommentar zu den Photographien im Album klar, dass sie das heute mit ihren Hunden nicht mehr mache, sondern diese gesund und wohlschmeckend ernähre. Es ist vermutlich nicht das schlechteste Leben, das man als Hund der Lobkowiczs führt.

Daneben gibt es eine Austellung mit Porzellan, eine mit Waffen und Rüstungen (großes Bild oben) und eine über die Jagdleidenschaft. Auch hier hat sich (vor allem im 17. und 18. Jahrhundert) viel Wertvolles und Schönes zusammengetragen, da es unter den Mitgliedern der Familie immer wieder große Feldherren (etwa den k.k. Feldmarschall Joseph Maria Karl von Lobkowitz, 1725-1802, der sich im Österreichischen Erbfolgekrieg besonders heldenhaft hervorgetan hatte) und noch mehr begeisterte Jäger gab.

Mit besonderem Stolz erfüllt die Familie allerdings ihre Musiksammlung. Sie beinhaltet nicht nur wertvolle alte Instrumente. Die Familie förderte einige der großen Musikgenies des Abendlandes, allen voran Mozart und Beethoven. Von beiden kann man daher in der Sammlung im Familienbesitz befindliche Originalhandschriften von Musikstücken bewundern. Das Bild rechts zeigt Mozarts eigenhändige Bearbeitung und Neuorchestrierung von Händels Messias aus dem Jahre 1789. So etwas kann man nur mit Ehrfurcht anschauen!

Darüber hinaus sollte man nicht den Palast selbst vergessen. Teile der Inneneinrichtung sind noch vorhanden, aber vor allem auch die barocken Stuckaturen und Deckengemälde. Bei letzteren handelt es sich um Fresken mit Szenen antiker Sagen, die in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts von dem Maler Fabián Václav Harovník gemalt wurden.

Seien noch zwei Dinge erwähnt, die den Besuch endgültig zum „Muss“ machen: Erstens: Die Aussicht. Es ist möglich, den Balkon zur Moldauseite hoch über der Stadt zu betreten, um eine der atemberaubendsten Panoramaaussichten auf Prag genießen zu könne. Nicht nur, aber vor allem bei Nacht ist das ein unvergessliches Erlebnis. Zweitens: Das ist ein privates Museum und daher außerordentlich professionell gemacht. Es gibt lange Öffnungszeiten, eine Audioführung, die nichts zu wünschen übrig lässt, einen hochwertigen Museumsshop und alles ist in blitzblanken Zustand. Und die Ausstellung ist sowieso einmalig. Also, wer noch nicht da war: Nix wie hin! (DD)

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