Idyllischer Teufelsbach

Die schöne Kampa-Insel auf der Kleinseite, die man beim Weg über die Karlsbrücke überquert, ist eigentlich eine künstliche Insel. Das ist sie seit dem 12. Jahrhundert; genauer gesagt: Der Kanal, der sie vom „Festland“ trennt, wurde im Jahr 1169 erstmals urkundlich erwähnt. Erst seit dem 19. Jahrhundert trägt er den legendenträchtigen Namen Teufelsbach (Čertovka), der sich auf eine alte Sage über eine dort lebende Teufelsfrau beziehen soll oder auf den Namen eines nahegelegenen Hauses, das „Haus der Sieben Teufel“ heißt. Man weiß es anscheinend nicht so genau. In den Jahrhunderten zuvor hatte man ihm prosaischere Namen wie etwa Strouha Malá (Kleiner Graben) gegeben.

Das Inselareal, das er von der Kleinseite abtrennte, war ursprünglich Besitz des Malteserordens, der in der Nähe immer noch seinen Sitz hat (früherer Beitrag hier). Im 16. Jahrhundert gehörte  der Familie Rožmberk (Rosenberg) der größte Teil des Areals, später wurde es von der Stadt übernommen. Kurz zuvor hatte man auf dem Gelände, das zuvor ausschließlich Garten- und Ackerland war, mit der Bebauung begonnen, und zwar hauptsächlich im Norden der Insel, während der südlichere Teil bis heute eher idyllisch grün anmutet.

Über 740 Meter Länge erstreckt sich die Čertovka. Das Wasser wird etwas unterhalb der Brücke der Legionen (früherer Beitrag hier) in den Kanal abgeleitet, wobei der Anfangsbereich heute über 40 Meter so überbaut und verrohrt ist, dass man ihn gar nicht mehr erkennen kann. Das Wasser kommt plötzlich unter einem Fußgängerüberweg zum Vorschein.

Insgesamt acht kleine Brücken führen über den Kanal zum „Festland“. Und nur wenige Meter flussabwärts der größten von ihnen, der Karlsbrücke, kann man sehen, wie das Wasser wieder in die Moldau zurückfließt.

Warum baute man diesen Kanal überhaupt? Primär ging es den Erbauern des Kanals wohl darum, einen ruhigen, aber stetigen Antrieb für Mühlen zu schaffen. Eine Unzahl von Mühlen sind seit dem 12. Jahrhundert überliefert, aber nur zwei von ihnen haben bis in die heutige Zeit überlebt. In der Nähe des Anfangs des Kanals liegt zum Beispiel die Huťský mlýn (Hüttenmühle) mit ihrem schönen Wasserrad. Sie wurde 1293 erstmals erwähnt. Heute befindet sich darin ein gemütliches Café.

Schon wunderschön von der Karlsbrücke aus sichtbar befindet sich die  Velkopřevorský mlýn (Großpriormühle), die 1597-1600 auf den Fundamenten einer früheren mittelalterlichen Mühle erbaut wurde und ursprünglich auch den Maltesern gehörte, aber im 18. Jahrhundert endgültig von der Stadt (Kleinseite) übernommen wurde. Sie bietet einen besonders malerischen Anblick, egal ob man sie von der Karlsbrücke (großes Bild oben) oder von der Rückseite aus betrachtet. Es gab früher noch mehr Mühlen, nicht nur am Kanal, sondern etwa auch an der Moldau selbst (etwa das Gebäude des heutigen Kampa-Museums, früherer Beitrag hier).

Ein Spaziergang entlang des Čertovka-Kanals bietet also viel für das Auge. Grünanlagen und üppiger Baumbewuchs an den Ufern wechseln sich mit engen mittelalterlichen Gassen und pittoresken Barockhäusern. Gerade in diesem Teil des Graben versteht man, warum man Čertovka und Kampa-Insel so oft und gerne als das Venedig Prags bezeichnet. Irgendwie hat er so gar nichts Teuflisches, dieser Teufelsbach… (DD)



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