Widerstand geehrt

Es waren mutige Menschen, die nach 1938 sich nicht dem Terror der Naziherrschaft beugten und Widerstand leisteten. Und viele Bürger der Tschechoslowakei zahlten einen hohen Preis – nicht selten ihr Leben – dafür. Da es den vielen bekannten und unbekannt gebliebenen Widerstandskämpfern häufig um die Wiedererlangung der Demokratie der Ersten Republik ging, wurden sie unter den Kommunisten meist stiefmütterlich behandelt und es gab wenige Denkmäler.

Das ihnen gewidmete Denkmal auf dem Platz vor dem Waldstein Palais steht deshalb auch erst seit 2006 hier. Das Denkmal der Zweiten Widerstandsbewegung (Pomník II. odboje) – die Erringung der Unabhängigkeit 1918/19 wird wohl als erste eingestuft – ist das Werk des Bildhauers Vladimír Preclík. Der Stadtbezirk hatte zuvor für die Gestaltung des Denkmals einen Wettbewerb ausgeschrieben.

Den hatte allerdings nicht Preclík gewonnen, sondern der bekanntere, aber auch umstrittenere Künstler David Černý. Bei seinem Entwurf hatte er wie Preclík den Heldenmut der Widerständler mit tschechischer Fahnensymbolik unterstreichen wollen, aber noch einen „Korridor der Schande“ beigefügt, der darauf aufmerksam machte, dass die allermeisten Tschechen gar nicht Widerstand geleistet, sondern sich irgendwie arrangiert hätten. Das, so meinte, streiche den Mut derer, die trotz alledem Widerstand leisteten, um so mehr heraus. Es folgte eine große politische Kontroverse (hier), bei der sich der 1990 gegründete tschechische Verband der Freiheitskämpfer (Český svaz bojovníků za svobodu) einschaltete, der seine Gefühle verletzt sah. Černý zog dabei den Kürzeren, was wohl auch etwas damit zu tun hatte, dass er in früheren Werken nicht selten über nationales Pathos lustig gemacht hatte (früherer Beitrag zur Illustration hier).

Jetzt steht Preclíks Denkmal also am Orte. Es ist tatsächlich ein sehr traditionalistisches Heldendenkmal. Auf einem abgeflacht kegelförmigen Sockel weht die von Widerstandskampf zwar zerrissene tschechische/tschechoslowakische Fahne, die aber trotzdem aufecht steht. Darunter stehen nur die Jahreszahlen 1938-1945. Černý konnte sich den Kommentar nicht verkneifen, dass das Denkmal wie eine „fliegende Pershing“ aussehe. Die Kunstkritik reagierte demgemäß auch eher zurückhaltend (um es zurückhaltend auszudrücken).

Aber am Ende sind ästhetische Fragen ja nicht alleine entscheidend. Wichtig ist, dass die Helden des Widerstands überhaupt endlich eine Ehrung erfuhren. Und deshalb liegen auch immer wieder Kränze und Blumen an der kleinen Plakette am Sockel des Denkmals, die die Aufschrift trägt: „Postůj v úctě před památkou obětí a vítězů druhého odboje českého národa za svobodu vlasti“ – Verweile zu Ehren des Denkmals für die Opfer und Gewinner des zweiten Widerstands der tschechischen Nation für die Freiheit ihres Heimatlandes. (DD)


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