Wache mit Hollywood-Design

Dank der Popularität des berühmten Soldaten Švejk als literarischem Nationalhelden hat sich die Klischeevorstellung verbreitet, die Tschechen wären die geborenen Antimilitaristen. Das Gegenteil ist der Fall. Die Militärparaden am Unabhängigkeitstag und die Feiern zum Veteranentag am 9. November (früherer Beitrag hier) signalisieren stets ein ausgesprochen positives Verhältnis der Tschechen zu ihrer Armee.

Wer es nicht nicht glauben will, gehe hoch zur Burg und schaue sich die Wachen und den Wachwechsel dort an. Da die Burg ja auch Amtssitz des Präsidenten ist, dient die Garde primär seinem Schutz. Zu diesem Zweck wurde sie auch 1918 in den Zeiten von Präsident Masaryk  gegründet. Heute umfasst sie rund 660 Mann gut gedrillter tschechischer Elitetruppen der Armee. Sie sind einem strengen Kodex unterworfen, was zum Beispiel die Körpergroße (nicht zu klein) oder den Verzicht auf Tatoos und vielem anderen betrifft. Der Wachwechsel am Haupteingang erfolgt stündlich, aber mittags um 12.00 kommt auch noch der große Banneraustausch mit Fanfaren (aus dem ersten Stock) dazu, der mittlerweile unzählige Touristen anlockt.

Die Uniformkultur ist nicht so zurückhaltend wie bei der Bundeswehr, sondern militärisch zackig bis prachtvoll. Die Uniformen der Wachsoldaten wurden nach der Samtenen Revolution von 1989 (die alten schäbigen kommunistischen Uniformen wollte man aus verständlichen Gründen nicht mehr anziehen) völlig neu gestaltet. Keine Frage: Die Wachsoldaten machen jetzt etwas her und liefern eine gute Show!

Dazu holte man 2004 einen aus Prag stammenden Stardesigner und -ausstatter aus Hollywood, den Kostümbildner Theodor Pištěk, der unter anderem für die Ausstattung des Mozartfilms Amadeus 1985 einen Oscar gewonnen hatte. Der wusste, wie eine schicke und beeindruckend wirkende Uniform auszusehen hat.

Es gibt eine helle Sommer- und eine dunklere Winteruniform. Letztere wird an besonders kalten Tagen um eine wohlig wärmende Pelzmütze ergänzt. Man bekommt also viel militärisches Gepränge zu sehen, das den Vergleich mit dem Vorbild des Wachwechsels vor dem britischen Buckingham Palace nicht scheuen muss.

Wer sich für die überaus interessante Geschichte der Wachsoldaten interessiert, kann man sich übrigens in der Burg auch eine interessante Dauerausstellung zum Thema anschauen. (D)

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