Die Synagoge, die überlebte

Sie ist eng mit der Sage vom Golem verbunden und dessen Reste aus Lehm sollen sich auch noch im Dachboden befinden, heißt es. Wie dem auch sei: die Altneusynagoge (Staronová synagoga) in der Josefstadt ist die älteste in ihrer Ursprungsform weitgehend erhaltene Synagoge in Europa. Seit dem späten 13. Jahrhundert steht das solide und sehr gedrungen wirkende Steingebäude hier und hat Feuersbrünsten und anderen Gefahren getrotzt.

Tatsächlich hat der berühmte Rabbi Löw hier gewirkt, der angeblich den aus Lehm geformten Golem mit Leben erfüllte, damit der den immer bedrohten Juden in der Stadt als Helfer diene. Auf jeden Fall war sie das eigentliche relgiöse Zentrum der jüdischen Gemeinde. Sie dient auch heute noch als Haus für Gottesdienste – neben drei anderen Synagogen, von denen zwei in Museen umgewandelt wurden.

Der Name „Altneu“ klingt ein wenig seltsam und eine endgültige Erklärung für den Namen gibt es nicht. Es könnte die deutsche Fehlinterpretation eines hebräsischen Wortes dahinter liegen, aber auch die Mutmaßung, dass angeblich beim Bau damals die Überreste einer noch älteren Synagoge gefunden worden waren. Benutzt wird der Begriff aber auch erst seit dem 16. Jahrhundert.

Innen wie außen ist sie weitegehend noch im Originalzustand erhalten. Restaurationsarbeiten, wie die des neogotischen Architekten Josef Mocker (früherer Beitrag hier) oder die von 1967 fielen stets sehr behutsam aus und achteten die historische Struktur. Dadurch hat sie ihren besonders orthodoxen Charakter beibehalten (etwa die architektonisch sehr strikte Trennung von Frauen- und Männerbereich im Inneren).

Dass sie die Nazibesetzung – im Gegensatz zu den meisten Gemeindemitgliedern, die ermordet wurden – überlebte, verdankt sie dem grotesken Zynismus der Nazis, die in Prag ein Museum einer untergegangenen Rasse aufbauen wollten, in dem sie ihren Massenmord auch noch zu zelebrieren gedachten. Aber immerhin wurde sie deshalb wie durch ein Wunder nicht zerstört.

Diese Schreckenszeiten liegen gottlob hinter uns und heute ist die Synagoge wieder ein echtes Glaubenszentrum. Auch Besucher können das sehr dunkel wirkende und nur mit kleinen Fenstern versehene Gebäude gegen Eintrittsgeld besichtigen.

Neben der Synagoge befindet sich ein kleiner Park, der eine ungewohnt ruhige und schöne Aussicht auf das Gebäude bietet. Mittendrin steht – passend“ – eine lebendgroße Bronzeskulptur von Moses, die 1905 von dem berühmten symbolistischen Bildhauer František Bílek geschaffen worden war. Vor diesem Moses, der das Wort „Adam“ schreibt, hatten die Nazis allerdings keinen Respekt und schmolzen ihn 1940 ein. Zum Glück hatte Bileks Witwe das Gipsmodell der Skulptur aufbewahrt, so dass 1946 ein originalgetreuer Nachguss aufgestellt werden konnte. (DD)


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s