Als der Flughafendirektor den Strom abstellte…

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Einer von vielen Wegen nach Prag führt über den Flughafen der Stadt. Er ist auch ein Stück Stadtgeschichte, das sich sehen lassen kann. Die Bauarbeiten im Ortsteil Ruzyně (im Berirk 6) begannen im Jahre 1933 und schon vier Jahre später, 1937, fand die Eröffnung statt. der neue Flughafen war nicht der erste in Prag gewesen, denn schon kurz nach der Unabhängigkeit hatte man 1919 auf dem ehemaligen k.u.k-Militärflughafen in Prag-Kbely (das liegt auf dem anderen, d.h. östlich der Moldau gelegenen Teil Prags) den ersten internationalen Flughafen errichtet. Der war allerdings bald überausgelastet und außerdem benötigte das Militär ihn weiterhin. Heute befindet sich dort übrigen das tschechische Luftfahrtmuseum. Deshalb wurde ein neuer Flughafen in Angriff genommen.

Die Nazis verwendeten auch den neuen Flughafen nach der Besetzung 1939 hauptsächlich zu militärischen Zwecken (z.B. als Trainingscamp für Bomberpiloten), weshalb er zum Ziel alliierter Bombenangriffe wurde. Nach der Befreiung 1945 wurde er aber schnell wieder als international Zivilflughafen hergestellt. Die Internationalität wurde aber schon 1948 arg eingeschränkt als die Kommunisten die Macht übernahmen und westliche Destinationen wurden immer seltener angeflogen. Trotzdem wuchs der Flughafen. 1958/59 wurde die Lande- und Startbahn erweitert, um auch größeren Düsenflugzeugen den An- und Abflug zu ermöglichen. Um mehr Passagiere abfertigen zu können, wurden in den 60er Jahren neue Terminals erbaut.

Die große historische Stunde der Bewährung des Flughafen kam am 20. August 1968 als die ersten Flugzeuge mit Soldaten des Warschauer Pakts landeten, um den Prager Frühling niederzuschlagen und den Menschen im Lande die letzte Freiheit zu nehmen. Die Flugzeuge hatten einen fingierten Notruf abgelassen, den der Direktior aber durchschaute. Er unterbrach sofort die Stromversorgung und legte den Flughafen lahm. IMG_5506Viele Mitarbeiter halfen ihm bei seinem Akt des zivilen Ungehorsams. Lange konnte er die sowjetischen Soldaten allerdings nicht aufhalten, die aus Rache danach die Alkoholvorräte des Duty-Free-Shops leertranken.

Nach dem Ende des Kommunismus setzte eine neue Phase der Geschichte des Flughafen ein, mehr Passagiere und deshalb auch etliche Neubauten. 1997 und 2006 wurde je ein neuer Terminal eröffnet. Alleine 2018 wurden hier 16.797.006 Passagiere befördert.

Es gibt nun drei Terminals. Terminal 1 (der aus den 1960er Jahren, aber inzwischen modernisiert) dient für internationale Flüge außerhalb des Schengen-Raums. Terminal 2 (2006) ist für Flüge im Schengen-Raum (hauptsächlich EU) zuständig und Terminal 3 (1997) ist für Privat- oder Geschäftsflugzeuge gedacht. Die meisten „Normalos“ unter den Passagieren dürften nur die Terminals 1 und 2 kennen. Die zeichnen sich durch  luftige Glas- und Stahlkonstruktionen (siehe großes Bild oben). Sie sind, gemessen am Passagieraufkommen, sehr geräumig und großzügig bemessen, was die Sache für den Passagier sehr angenehm macht. Die Wartezeiten bei den Sicherheitschecks sind in der Regel nicht sehr lange.

Und dann gibt es noch den Terminal, den kaum jemand kennt. Es ist Terminal 4. Hier landen – ganz separat von allen anderen Passagieren – die Staatsgäste und Super-VIPs. Das ist übrigens der Teil, der teilweise noch original aus den 1930er Jahren stammt, der Ur-Flughafen sozusagen. vh-airportFährt man mit dem Flughafenbus 119 zum Flughafen, sieht man plötzlich einige Gebäude ganz im Stil des Art Déco und Funktionalismus (Bild links). Das Areal ist, da man um die Sicherheit der VIPs besorgt ist, mit einer Schranke abgesperrt. Aber man sieht eben, dass hier Gebäude stehen, die sich teilweise stilistisch sehr deutlich (und positiv, wie ich finde) von den neuen Terminals abheben.

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Drinnen ist auch der ursprüngliche Tower (ebenfalls in Art Déco) erhalten geblieben.

Der Flughafen hieß früher einfach Flughafen Prag oder Prag-Ruzyně. Nachdem eine Bürgerinitiative innerhalb einer Woche 65.000 Unterschriften dafür sammelte, wurde der Flughafen, der in Staatsbesitz ist, in Václav-Havel-Flughafen Prag (Letiště Václava Havla Praha) umbenannt. Damit ehrte man den großen Bürgerrechtler und ersten post-kommunistischen Präsidenten des Landes, Václav Havel, posthum. Die feierliche Taufe des Flughafens fand am 5. Oktober 2012 statt. An jenem Tage wäre Havel 76 Jahre alt geworden. (DD)

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