Haus mit fünfeckigem Garten

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Immer wieder ist man beeindruckt, wie sehr sich in Prag der Kubismus in der Architektur entfaltet hat. Unter der Fülle von bemerkenswerten Gebäuden in diesem Baustil ragt die Kovařovic Villa noch einmal heraus. Unterhalb der alten Festung auf dem  Vyšehrad hatte der Architekt Josef Chochol kurz vor dem Ersten Weltkrieg zahlreiche kubistische Wohnhäuser erbaut (siehe u.a. hier), von denen dann die 1912/13 erbaute Villa sicherlich die repräsentativste war.

Direkt am Moldauufer, aber Dank einer konsequent kubistisch umzäunten Vorgartenanlage hinreichend vom Lärm der Uferstraße (Adresse: Libušina 49/3) getrennt, war sie das geignete Domizil des Bauunternehmers Josef Kovařovic.

IMG_5437Chochol hatte als Verfechter eines strengen Kubismus bei der Villa auf alle für solche Repräsentativbauten damals üblichen traditionellen Ornamente verzichtet. Er setzte durchgängig auf die kristallinen oder diamantförmigen Geometrieelemente, die bekanntlich den Kern der kubistischen Ästhetik bildeten. Schön lässt sich das auch bei den Dachgauben auf der Vorder- und Rückseite (Bild links), aber auch bei der Gestaltung der Fensterstreben beobachten. Das Gebäude wirkt dadurch streng und schlicht, aber eben auch sehr erhaben und würdevoll.

IMG_5438Diese stilistische Ausrichtung wurde auch bei der Inneneinrichtung (Chochol entwarf auch Möbel) konsequent beibehalten. Leider wurde das Haus 1944, vier Jahre nach Kovařovics Tod, die Inneneinrichtung von den Erben unsachgemäß neugestaltet, weshalb man dort nicht mehr viel von Chochols Werk sehen soll. Zudem wurde das Haus in kommunistischen Zeiten zum Kindergarten umfunktioniert, was bis zur allfälligen Renovierung im Sinne des Denkmalsschutzes im Jahre 1995 so blieb. Aber das Haus ist sowieso nur selten (manchmal an Tagen des offenen Denkmals) für die Öffentlichkeit zu betreten.

IMG_5439Kommt man etwas näher an das Haus, stellt man fest, dass der Vorgarten kleiner ist als erwartet. Die klaren Formen der Umgrenzung lassen ihn größer erscheinen als er ist – nämlich schlappe 0,03 Hektar. Schon in seiner Form passt der Garten zur kubistischen Gestaltung der Villa, er ist nämlich fünfeckig. Da liegt auch daran, dass Chochol bewusst die Hausfront nicht parallel zur Uferstraße verlaufen ließ, sondern schräge. Dadurch wurden die Seiten des Gartens nicht nur diagonalisiert wie die geometrischen Elemente der Architektur, sondern es wurde dem Eigner beim Blick aus dem Fenster die Sicht zur Burg möglich, die allerdings durch eine Eisenbahnbrücke etwas behindert wurde. Ursprünglich gab es noch einen Garten (mit Kegelbahn) auf der Rückseite, der aber schon in den 1930er Jahren einem Straßenbau zum Opfer fiel. (DD)

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