Funktionalismus und moderne Kunst

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Die Sammlung der Nationalgalerie in Prag ist so riesig, dass ihre verschiedenen Kunst- und Gemäldesammlungen in verschiedenen Gebäuden untergebracht werden mussten. Das Gebäude, das die Sammlung der moderneren Kunst (ab 2. Hälfte 19. Jahrhundert bis Gegenwart) beherbergt, zeichnet sich dadurch aus, dass es auch architektonisch zur Sammlung passt. IMG_5406Der Messepalast (Veletržní palác) in der Dukelských hrdinů 47 in Holešovice, ist für sich selbst genommen schon ein Dokument der Moderne schlechthin. Von außen mag das Bauwerk etwas monoton und abweisend wirken, aber dieser erste Eindruck verkehrt sich in sein Gegenteil, wenn man erst einmal drinnen ist.

Einen Bau im strengsten funktionalistischen Stil erbauten die beiden Architekten Josef Fuchs und  Oldřich Tyl in den Jahren 1925 bis 1928. Und entsprechend funktional war auch zunächst der Gebäudezweck. Nicht Kunstausstellungen, sondern Industriemessen gab es hier zunächst zu sehen. Das änderte sich mit dem Einmarsch der Nazis, die ein Schreckenskapitel in der Geschichte des Gebäudes eröffneten. Ab 1939 fungierte der Bau als Sammelstelle für Prager IMG_5411Juden, die in die Konzentrationslager abtransportiert werden sollten. Nach dem Krieg wurde er gottlob wieder einer friedlichen Nutzung überantwortet. In den Zeiten des Kommunismus war er Sitz einiger staatlicher Außenhandelsfirmen. Ein Feuer richtete 1974 großen Schaden an. Zwei Jahre später ging es in den Besitz der Nationalgalerie über. Ausgesprochen langwierige Renovierungsmaßnahmen begannen, die erst nach der Samtenen Revolution Anfang der 1990er Jahre zum Abschluss kamen. Das immer noch erstaunlich modern wirkende Gebäude, das schon fast selbst wie ein Kunstwerk erschien, wurde zum Ausstellungsort für Kunst- und zwar moderne Kunst.

Es gibt verschiedene Dauerausstellungen über drei Etagen mit einer Fläche von 13.500 Quadratmetern, die die großen internationalen (Picasso, Manet etc.) und vor allem heimischen Künstler repräsentieren. Die schiere Größe wird einem bewusst, wenn man das Atrium innen zum ersten Male erblickt. Und man sollte sich viel Zeit nehmen, um alles zu sehen, was es zu sehen gibt.

IMG_5413Zusätzlich gibt es noch zwei Etagen für wechselnde Ausstellungen. Dem gleichen Zweck dient eine große, sich über mehrer Stockwerke erstreckende Kunsthalle, die es erlaubt, Kunstwerke in Größenordnungen auszustellen, die sonst in kein Museum passen. Von 2016 bis 2017 durften die Besucher die sonst kaum zu präsentierenden Monumentalgemälde des Zyklus Das Slawische Epos von Alfons Mucha bestaunen. Das Bild links zeigt einen Blick in den Saal vom zweiten Stock aus während einer Ausstellung von Werken der deutschen Künstlerin Katharina Grosse, die hier gigantische Textilinstallationen mit Besprayung austellte. Das Ganze vermittelt immerhin einen gewissen Eindruck von der Größe des Saals – vor allem, wenn man die umherwandelnden winzigen Besucher im Auge behält, IMG_5416die fast schon etwas verloren wirken..

Daneben gibt es im Keller noch das Studio Hrdinů (Studio der Helden) ein modernes Experimentaltheater. Besucher wissen auch den Restaurantbetrieb des Museums zu schätzen, das berühmte Café Jedna, das auch Kaffee- und Kuchengenießer anzieht, die gar nicht das Museum besichtigen wollen. Jedenfalls ist es immer sehr schwierig, hier noch einen Platz zu finden. Das hat nicht nur etwas mit der Qualität der Kuchen und Speisen zu tun, sondern auch mit dem musealen Ambiente. Denn auch hier dominiert die glasklar strukturierte und ausgesprochen lichtdurchflutete Architektur, die den Innenraum des ganzen Gebäudes auszeichnet. (DD)

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