Tschechisch/Slowakisch auf feine Art

Auf der Suche nach lokaler Küche ohne standardisierte Gulasch-und-Knödel-Folklore für Touristen? Dann sollte man es vielleicht einmal im Czech Slovak in der Újezd 423/20 auf der Kleinseite versuchen. Warum der Name in Englisch ist, weiß ich nicht, aber hier findet man raffiniert zubereitete Gerichte aus Tschechien und der Slowakei (die ja bis 1993 einen gemeinsamen Staat bildeten…). Kurz: Das Beste, was die beiden Länder kulinarisch auffahren können.

Die Küche des Hauses, so vernimmt man auf der Website, stehe in der Tradition der großen böhmischen Nationalschriftstellerin Magdalena Dobromila Rettigová, die 1826 das erste große Standardkochbuch Domácí kuchařka (Die Hausköchin) geschrieben hatte, das bis heute in Gebrauch ist. Aber dieser historische Rückbezug ist mehr Ansporn als eine vollständige Beschreibung der Küche im Restaurant. Die baut zwar auf Rettigová auf, unterzieht sie aber einem gewissen Verschlankungsprozess, der ihr gut tut.

Schon die moderne und gepflegte Einrichtung zeigt, wes Geistes Kind die Betreiber sind. Gemütlich, aber ohne Bierhausstimmung. Folglich bekommt auch nicht langweilig Hausbackenes auf den Teller, sondern traditionelle Küche mit modernem Anstrich. Das schmeckt ausgezeichnet und füllt nicht lediglich den Magen bis zum Platzen.

Man kann aus einer kleinen, aber feinen Speisekarten wählen: Ob es die tschechische (genauer: aus dem Riesengebirge stammende) Kulajda, eine Pilzsuppe auf Saurer-Sahne-Basis (kleines Bild links), oder die slowakische Halušky, ein Kartoffelnockengericht, sind: Das Resultat – ein Gaumenschmaus! – ist verblüffend. So fein kann Landesküche schmecken.

Oder man nehme die übliche Entenbrust – eine Spezialität, die jedes Touristenlokal in Prag serviert. Sie wird im Czech Slovak zum Gesamtkunstwerk mit feinsten Zutaten. Es wird am Tisch flambiert und man ist schon fast (aber wirklich nur fast) geneigt, traurig zu sein, dass dafür ein hauseigener und somit exzellenter Obstler angezündet wird und einfach so in Luft aufgeht. Den hätte man gerne direkt zu sich genommen. Aber man merkt schnell, dass diese Flambierung noch das geschmackliche i-Tüpfelchen des Ganzen ist.

Womit wir bei den Getränken sind: Nicht nur die ungeheuer fruchtigen und kraftvollen Obstbrände wären schon für sich einen Besuch wert. Auf der Flasche des Birnenbrands sind sogar die Portraits des Besitzers und seines branddestillierenden Bruders gemalt. Und dann ist da noch das Bier. Mindestens zwei hausgemachte Sorten, die sich ständig abwechseln (eines davon sieht man oben auf dem großen Bild) gibt es. Die sollte man sich nicht entgehen lassen, denn sie sind – auch nach den bereits sehr hohen Prager Massstäben – schlicht exzellent.

Obwohl es heißt, man solle nie Wein nach Bier trinken sollte man nach dem Biergenuß auch einmal auf die Weinkarte umschalten. Im Keller kann man sich sogar eine Weinverköstigung (für kleine Gruppen) bestellen, die dann unten im Kellergewölbe (15. Jahrhundert!) stattfindet. Da wird aufgefahren, was Tschechien und die Slowakei an wirklichen Spitzenweinen bietet. Wer je an der Qualität der örtlichen Weine gezweifelt hat, wird hier kuriert. Hohe Erwartungen werden übertroffen.

Das von Jindřich Kratochvíl geführte Restaurant ist ein genuiner Familienbetrieb und es scheinen hauptsächlich er und seine Geschwister den Laden schmeißen. Und das tun sie mit Verve! Die bekannte Ruppigkeit mancher Prager Kellner findet man hier nicht. Selten haben wir uns als Kunden so sehr wie Könige gefühlt wie im Czech Slovak! Top-Empfehlung! (DD)

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