Schwarzlicht

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Sie ziehen unzählige Touristen an, denn sie sind schließlich auch etwas ganz und gar Typisches für Prag: die Black Light Theatres. Sie kamen zuerst in den 1950er Jahren auf. Damals war die Tschechoslowakei weltweit an der vordersten Front, wenn es um Multimedia-Theater ging. 1958 wurde auf der Brüsseler Weltausstellung dem begeisterten Publikum in den kleinen Pavillon des Landes erstmals eine Multimediashow aufgeführt, die stark auf Lightshow-Effekte setzte. IMG_4173Daraus entstand im Jahr darauf das erste Prager Multimediatheater, Laterna Magika, das in den frühen 1980er Jahren dauerhaft ins Nová Scéna-Theater einzog (wir berichteten hier)

Das Black Light Theatre (der tschechische Ausdruck „Černé divadlo“ wird eher selten verwendet) als Genre ist ein Ableger dieser Entwicklung, der sich meist eher in Kleintheatern entfaltet. Es gab solche Theater schon in den 1950/60er Jahren, aber der wirkliche IMG_4172Boom setzte in den 1980er Jahren ein. In dieser Zeit flochten die Theater in ihren pantomimischen Inszenierungen oft auch subtile Kritik und Satire über die realsozialistische Wirklichkeit des Kommunismus ein. Nach dem Ende des Kommunismus 1989 wurden sie zu einem der Renner für die Touristen schlechthin – möglicherweise auch, weil es sich ja um kein Sprachtheater handelte (nur die allerwenigsten Touristen können einem Theaterstück in Tschechisch folgen). Dadurch entpolitisierten sie sich aber auch notgedrungen. Der Spaß an der schönen Inszenierung aber blieb und versetzt das Publikum in Freude.

Die Theater bauen auf dem Effekt auf, dass ultraviolettes Licht (umgangssprachlich auch „Schwarzlicht“ genannt, daher der Name „Black Light Theatre“) von schwarzen Flächen IMG_4167„verschluckt“, aber von hellen Flächen reflektiert wird. Wenn also z.B. ein Mensch auf einer schwarzen Bühne im schwarzen Ganzkörperanzug und mit weißen Schuhen steptanzt, während er mit Ultraviolettlicht bestrahlt wird, sieht man nur tanzende weiße Schuhe. Entdeckt hat man diesen Effekt übrigens schon zu Ende des 19. Jahrhunderts.

Und ebendiesen Effekt nutzen die Black Light Theatres aus und gestalten damit unglaubliche Effekte, bei denen Gegenstände und tanzende Menschen zu unglaublichen poetischen und phantasiereichen Bildern verschmolzen werden (Videobeispiel hier). Das ist beeindruckend und die Tschechen sind die Meister dieses Genres. Auch wenn man primär heute unter Touristen sitzt, lohnt sich der Besuch eigentlich für jedermann.

IMG_4170Es gibt zahlreiche kleine Privatbühnen mit dieser Art von Lichtpantomine. Zu den vier bekanntesten gehört das Black Theatre Image an der Narodní, das 1989 gegründet wurde und in den letzten 20 Jahren rund 1 1/2 Millionen Besucher begrüßen durfte. Die Bilder in diesem Beitrag stammen hauptsächlich von diesem Theater, das übrigens bei seiner empfehlenswerten „Best of…“-Show als Zwischenakt zwischen den Schwarzlicht-Nummern real auftretende Pantominenkünstler auftreten lässt, die wirklich urkomisch sind. Wie viele der Black Light Theatres ging das Image auch schon häufiger auf sehr erfolgreiche Welttourneen. Daneben ist noch das in unmittelbarer Nähe gelegene Black Light Theatre Metro sehr bekannt, das schon in den späten 1960er Jahren gegründet wurde und den Sprung IMG_4169in die digitale Welt mit einer interaktiven Show im Anschluss an die Show bietet. In der Karlová nahe der Karlsbrücke gelegen, befindet sich das Black Light Theatre TaFantastika, das sich bisweilen sogar an anspruchsvolle Handlungen wagt, wie etwa der Schwarzlichtbearbeitung von „Alice in Wonderland“ unter dem Titel Aspects of Alice. Und in der Rytířská nahe dem Ständetheater in der Altstadt gibt es noch das Black Light Theatre of Prague. Es wurde 1987 – zwei Jahre vor dem Ende des Kommunismus – gegründet und stand bei den Kommunisten bereits unter Generalverdacht. Es musste daher Zensur und bürokratische Schikanen ertragen, von denen es 1989 allerdings erlöst wurde. Es verbindet das Schwarzlichttheater oft mit Elementen des Musicals.

Filmen und photographieren darf man in den Theatern meist nicht, weshalb an dieser Stelle Außenansichten genügen müssen. Das Black Light Theatre Image projiziert in seinem Eingangsbereich immerhin Kleinstausschnitte seiner Show (siehe die beiden unteren Bilder) als Hologramm auf die Fensterscheiben. Aber Black Light Theatre muss man schon wirklich live auf der Bühne miterleben. (DD)

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