Wo zwei große Tschechen wohnten (und starben)

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Man kann die Rolle, die František Palacký bei der kulturellen Wiedergeburt der Tschechen im Habsburgerreich in der Zeit der 1848er Revolution und danach kaum überschätzen (siehe früheren Beitrag hier). Mit seiner 5-bändigen Geschichte des IMG_3864tschechischen Volkes in Böhmen und Mähren (ab 1836), die er 1848 dann in Tschechisch als Dějiny národu českého v Čechách a v Moravě veröffentlichte, und mit seinen publizistischen und politischen Aktivitäten verlieh der dem liberalen Nationalismus der Zeit eine wirkungsvolle Stimme. Sein Konterfei ziert die heute 1000-Kronen-Banknote. Überall in Tschechien findet man Denkmäler, Straßennamen und andere Erinnerungsorte, die an ihn erinnern. Einer davon ist das Haus, in dem er 1876 starb. in der nach ihm benannten Palackého 7 in der Neustadt.

Das ist Denkmal und kleines Museum zugleich, was angesichts dser Bedeutung Palackýs für die Geschichte des Landes auch nicht erstaunt – zumal es auch der Ort ist, wo nicht nur Palacký, sondern auch ein anderer großer Vertreter der tschechischen Nationalbewegung wohnte, arbeitete und starb. František Ladislav Rieger (früherer Beitrag hier) war nicht nur Palackýs Schwiegersohn (er hatte dessen Tochter Marie 1853 geheiratet), sondern auch sonst einer der Großen seiner Zeit. Als Publizist, Mäzen, Librettist und vor allem als Staatsmann, der keinem radikalen Nationalismus anhing, sondern für einen liberalen Föderalismus mit viel parlamentarischer Selbstbestimmung IMG_3865für Böhmen focht, steht er in Sachen Nachruhm seinem Schwiegervater kaum nach.

Nach Palackýs Tod arbeitete er noch bis zu seinem Tode im Jahr 1903 im Dienste seiner politischen Ziele. Mit zwei so bedeutenden Bewohnern konnte man gar nicht anders als das Haus zum Denkmal zu erklären. Das Haus selbst gab es schon im 14. Jahrhundert. Allerdings wurde es 1770 vom Architekten Johann Ignaz Palliardi in ein Barockpalais umgebaut und gehörte lange Zeit dem Leibarzt Maria Theresias, dem aus Irland eingewanderten Katholiken Wilhelm Mac Neven O’Kelly ab Aghrim, weshalb es heute noch Mac Nevenův palác (Mac Neven Palast) genannt wird.

IMG_3866Aber natürlich war am Ende doch Palacký dann doch der berühmteste Bewohner des Hauses. Im Jahre 1885 brachte man daher über dem Eingangstor eine große Büste an, die kein Geringerer als Josef Václav Myslbek gestaltet hatte, der später die große Reiterstatue des Heiligen Wenzel (früherer Beitrag hier) auf dem Wenzelsplatz erschaffen sollte. Die Büste, die mit der Inschrift „František Palacký lebte und starb hier“ versehen ist, wirkt kolossal. Doch auch Rieger wurde bedacht. Neben dem Tor erinnert eine große Bronzetafel in klassischer Marmorfassung daran, dass auch er hier wohnte und starb (links).

Teile des Hauses gehören heute dem  Nationalmuseum, das einige der Räume, in denen die Familie Palacký/Rieger wohnte als Museum betreibt. Dort kann man nach Voranmeldung zwischen Mai und Oktober bei einer Führung die Einrichtung und die Schreibstuben der beiden Nationalhelden besichtigen. (DD)

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