Wunderhirsch in Barock

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Er war geradezu jagdsüchtig. Draußen im Wald Tiere zu töten, machte ihm soviel Spass, dass es selbst den recht rauen Menschen des 7. Jahrhundert im Fränkischen Reich übel aufstieß. Dann erschien ihm während einer Jagd plötzlich ein wundersamer Hirsch mit leuchtenden Kreuz zwischen den Geweihen. Darob wurde der einstmals wilde Jäger fromm, machte eine so fromme Karriere, die ihn zu Lebzeiten zum Bischof von Lüttich und postum zum Heiligen machte – zum Heiligen Hubertus.

Die Story ist so schön, dass Künstler sie immer wieder gerne dargestellt haben. Eine der IMG_3843schönsten dieser Darstellungen findet man in der Tomášská 26/4 auf der Kleinseite (Nähe Malostranské náměstí). Sie befindet sich am zurecht so genannten Haus zum goldenen Hirschen (dum u zlatého jelena). Ursprünglich stand an dieser Stelle ein Renaissancehaus, doch der Besitzer – es soll ein gewisser Jan Kašpar Friedrich gewesen sein – ließ es um 1723 in grandiosem Barock umgestalten – so mit allem Drum und Dran und viel Stuck. Es spricht manches dafür, dass der Architekt kein Geringerer als der große Prager Barockbaumeister Kilian Ignaz Dientzenhofer war. Aber wahrscheinlich ist es weniger seine Architektur, die dem vorbeieilenden Passanten auffällt, sonder eher der große steinerne Hubertus über dem Haupteingang, der beeindruckt vor dem gottgesandten und bronzebehörnten Hirschen kniet und in sich geht. Auch hierfür konnte der Besitzer einen großen Künstler gewinnen, nämlich den Bildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff., der auch etliche der schönen Heiligenskulpturen auf der Karlsbrücke geschaffen hatte. (DD)

 

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