Der Wein des Kaisers

Nähert man sich unten von der Berounka her der großen Königsburg von Karlštejn, dann fallen die Weinberge auf, die über dem Fluss emporragen. Gerade jetzt im Winter sieht man die gemauerten Stufen der Terrassen, auf denen dann im Herbst die Reben gelesen werden, besonders deutlich.

Der Wein kam mit der Burg. Denn der Bauherr, Kaiser Karl IV., der die Burg 1348 anlegen ließ, ordnete zugleich die Errichtung von Weinbergen in der Nähe an. Da Wasser in jenen Zeiten meistens mit Krankheitserregern verseucht war, galt der Weingenuß (nebst der Biergenuss) als die gesunde Alternative – selbst bei Kindern.

Karl tat deshalb alles, um den Weinbau in Böhmen zu fördern. Da er im kultivierten Frankreich erzogen worden war, legte er dabei auch auf Qualität wert. 1358 erließ er sogar ein Edikt, dass Berge im Land systematisch darauf untersucht werden sollten, ob sie sich für Weinbau eigneten. Im Umkreis von 3 Meilen wurde in Prag jeder Berg zum Weinberg umgebaut. Sollten die Besitzer ihrer Weinbauverpflichtung nicht nachkommen, konnten sie sogar enteignet werden. 1373 verschärfte er diese recht illiberale Politik noch mit einem Einfuhrverbot von ausländischem Wein, um den heimischen Weinbau zu stärken.

Ob das am Ende die optimale Art war, die Weinversorgung des Volkes sicherzustellen, bleibt dahingestellt, aber ganz gewiss ist Karls Erbe heute noch sichtbar, nämlich in Form einer Unzahl von alten Weinbergen in der Umgebung Prags. So wie hier in Karlštejn unterhalb der Burg. In den unzähligen Souvernirläden wird der örtliche Wein, der durchaus von guter Qualität ist, überall verkauft. Qualitativ hat sich seit Karls Zeiten einiges geändert. Wein wird heute nach wissenschaftlichen Kriterien angebaut. Seit einigen Jahren gibt es ein Forschungszentrum für Weinkultur, das an der Verfeinerung der Reben und Neuzüchtungen arbeitet.

Und im Ort selbst gibt es unzählige Keller, die Führungen anbieten und im September sollte man auf keinen Fall das sensationelle Weinfest verpassen. Oben in der Burg wird eine Ausstellung auf Werbetafeln angekündigt, die sich im Brunnenturm befinden soll. Dort kann man in den 78 Meter tiefen Brunnen der Burg schauen, was interessant ist. Die Ausstellung entpuppt sich allerdings als Weinladen für Touristen, in dem mehr verkauft, denn ausgestellt werden soll. Die Erwartung wird also etwas enttäuscht, aber man sieht in den Regalen immerhin die Vielfalt der Weinsorten, die hier in dem Areal rund um die Burg heute immer noch angebaut werden. Das ist schon recht beeindruckend. Dem guten Karl sei gedankt. (DD)

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