Wer liegt im Glassarg?

IMG_3824

Auch die Heilige Ursula, die Schutzheilige Kölns, hat in Prag eine Kirche, die Kostel sv. Voršily, was natürlich auf Deutsch nichts anderes bedeutet als Kirche der Heiligen Ursula. Farbenfroh leuchtend schmückt das Bild ihrer Apotheose den großen Hochaltar der Kirche. Gemalt hat es der Barockmaler Jan Liška.

IMG_3831Und barock ist die Kirche durch und durch. Im Gegensatz zu den meisten anderen Barockkirchen der Stadt handelt es sich bei ihr nicht um eine umgewandelte mittelalterliche Kirche. 1672 wurde auf dem Gelände ein Kloster der Ursulinen gegründet und in den jahren 1699 bis 1704 baute der in Italien geborene Architekt Marco Antonio Canevalle die einschiffige Kirche. Sie ist schon deshalb eine architektonische Besonderheit, weil sie von außen fas tso etwas wie eine optische Täuschung ist. Die vermeintliche große Eingangstür an der Straßenseite (in Wirklichkeit IMG_3826betritt man die Kirche von einem Gang des rechten Nebengebäudes aus) vermittelt den Eindruck, das Schiff würde von hier aus rechtwinklig in die Tiefe gehen. Tatsächlich verläuft das Schiff aber parallel zur Straße von rechts nach links (wo der Altar steht). Man ist ein wenig überrascht, wenn man eintritt, dass die Erwartungen nicht erfüllt werden.

Die Kirche der Heiligen Ursula liegt eigentlich recht zentral in der Národní třída 8, aber das große Nationaltheater in der Nähe stiehlt ihr optisch etwas die Schau, so dass sie nicht jedem Vorbeigehenden sogleich auffällt.  Dabei ist sie den Besuch wert. Draußen zur Straße sieht man zahlreiche Skulpturen von Heiligen. IMG_3832Der Heilige Neopumuk über dem (vermeintlichen) Haupteingang wurde von dem Bildhauer Ignaz Franz Platzer im Jahre 1747 gestaltet. Besonders beeindruckend ist jedoch das üppig barocke Interieur, zu dem nicht nur der Hochaltar mit der Apotheose, sondern auch die Deckengmälde, die Seitenaltarbilder von Peter Johann Brandl, oder die Orgel aus den Jahren 1723-25 gehört. In den Jahren 1883/84 wurde sie von dem Architekten Anton Viktor Barvitius renoviert und leicht umgestaltet, aber in einer Form, die den Grundcharakter des barocken Gebäudes weiterhin erhielt.

Und etwas zum Gruseln gibt es auch: In einem reich verzierten Glassarg auf der linken Seite (vom Altar gesehen) befindet sich eine besonders IMG_3828auffällige Reliquie. Es sind die Gebeine und das Blut der Heiligen Kolumba, die der Legende nach im Jahre 273 unter dem römischen Kaiser Aurelian zur Märtyrerin wurde. Die Heilige kam aber eigentlich aus Sens im heutigen Frankreich, wo ihre Reliquien in einem Kloster aufbewahrt wurden, das 1792 während der Französischen Revolution zerstört wurde. Die Reliquien wurden jedoch gerettet und liegen heute eigentlich  in der Krypta der Kathedrale von San Sabino in Bari. Die Frage stellt sich: Ist es wirklich die Heilige Kolumba? Oder liegt da jemand anderes? Wenn ja, wer? (DD)

Ein Gedanke zu “Wer liegt im Glassarg?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s