Barock, klassisch, kubistisch

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In der Hybernská 1036/3 und 1036/5 nahe der Altstadt sieht man gleich zwei Paläste in einem. Das Palais Swéerts-Sporck (palác Sweerts–Sporckův) besteht tatsächlich aus zwei – wenn nicht sogar drei! –  Teilen. IMG_3572Wenn man davor steht, sieht man links (Hausnr. 3) ein barockes und rechts ein klassizistisches Gebäude, das aber einem kubistischen vorgelagert (Hausnr. 5) ist.

Auf dem Areal standen ursprünglich zahlreiche kleinere Häuser aus dem 14. Jahrhundert. Anfang des 17. Jahrhunderts wurde hier bereits ein Barockpalast gebaut, der dann im Jahre 1694 an den Kunstmäzen, Verleger und mutmaßlichen Freimaurer IMG_3577Franz Anton Reichsgraf von Sporck verkauft wurde, der ihn bis 1699 durch den Architekten Jean Baptiste Mathey, der durch den Bau von Schloss Troja (früherer Beitrag hier) Berühmtheit erlangte, vollkommen neu gestalten ließ. Das großzügig dimensionierte Palais entwickelte sich unter dem kulturbeflissenen Sporck zu einem Zentrum der Musik, wo neue Opern uraufgeführt wurden. Nach seinem Tod erbte sein Schwiegerenkel Johann Franz Swéerts das Areal samt Palais. Dadurch, dass beide – Sporck und Swéerts – den Gebäudekomplex maßgeblich gestalteten, erklärt sich auch der heutige Namen des Palais. Swéerts hatte aber einen etwas anderen Kunstgeschmack als Sporck und baute 1783 den Palais behutsam um. Mit Hilfe des IMG_3570Architekten Anton Haffenecker gab er der Fassade einen etwas strengeren Anstrich, behielt aber den barocken Charakter des Gebäudes im wesentlichen bei. Das klassizistische Element wurde dabei vor allem durch die neu hinzugefügten Skulpturen von Ignaz Franz Platzer betont – klassische Gottheiten, die über den beiden Portalen thronen.

1790 entschloss sich Sweerts dann, an den alten Barockpalast einen neuen Palast anzubauen, der dann konsequent klassizistisch gestaltet wurde. Architekt des einstöckigen Baus (der damit kleiner als der zweistöckige Barockpalast ausfiel) war Johann Ignaz Palliardi und ausgeschmückt wurde das Ganze wieder mit Skulpturen und Stuckarbeiten (insbesondere die Jagdszene am IMG_3579Giebel) von Swéerts Leib- und Magenbildhauer Platzer.

Da der Klassizismus in Prag wesentlich weniger präsent ist als der Barock, könnte man den neuen Gebäudeteil schon deswegen bereits als den interessanteren bezeichnen. Aber es steckt noch mehr drin. Steht man etwas entfernter von der klassizistischen Fassade, erkennt man, das das Gebäude quasi mit einem anderen Gebäude verschmolzen ist, das definitiv modern kubistisch ist. 1923 war der klassizistische Teil nämlich bereits an die Anglo-Tschechoslowakische Bank übergegangen und der kubistische Architekt Josef Gočár (führere Beiträge u.a. hier, hier und hier) war beauftragt worden, das Gebäude an den neuen Zweck anzupassen. Im Prinzip ist nunmehr nur noch die Fassade klassizistisch, während innen die Moderne vorherrscht. Der dahinter angebaute Neubau IMG_3573Gočárs überragt den alten Bau und ahmt mit kubistischer Formstrenge und abstrakten Formelementen ein wenig den Rhythmus die klassizistische Fassade mit ihren Pilastern im ersten Stock nach. Das Dach des alten, niedrigeren Gebäudes wurde geschickt als Terrasse in das neue Gebäude integriert (großes Bild oben). Das ist schon eine einzigartige und interessante Symbiose von alt und neu, die man hier beobachten kann. Barock, Klassizismus und Kubismus auf einen Schlag! Besonders nachts, wenn der obere Teil beleuchtet ist, und die barocken Statuen des alten Palastes auf der Fassade des neuen Gebäudes ihre Schatten werfen (großes Bild oben), sieht das beeindruckend aus.

Der Barockteil des nunmehr eigentumsrechtlich zerteilten Swéerts-Sporck-Palais gehört heute übrigens der Karlsuniversität, die hier einige Abteilungen der Philosophischen Fakultät untergebracht hat; der klassizistisch-kubistische Teil wurde vor kurzem an einen Investor verkauft und wird derzeit renoviert. (DD)

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