Kirche mit Ruheoase

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Heinrich II. (973-1024) war der erste und einzige deutsche Kaiser, der heilig gesprochen wurde. Da seine Frau Kunigunde ob ihrer Gläubig- und Mildtätigkeit ebenfalls mit dem Heiligenschein versehen IMG_3327wurde, hat man es sogar mit dem einzigen Heiligenkaiserehepaar überhaupt zu tun.  Nun, auf jeden Fall ehrte man die beiden auch in Prag und benannte die Kirche des Hl. Heinrich und der Hl. Kunigunde (Kostel sv. Jindřicha a sv. Kunhuty) nach ihnen – schließlich hatte sich Heinrich immer um ein gutes Verhältnis des Reiches zu Böhmen bemüht. 1348 bis 1351 wurde die sie unter Karl IV. als die erste Pfarrkirche der von ihm angelegten Prager Neustadt erbaut.

Das Gebäude sah ursprünglich markant anders aus als heute. Es fängt beim Glockenturm an. Den gab es so zunächst nicht und erst 1472-75 wurde zu diesem Zweck der Heinrichsturm auf der anderen Straßenseite als baulich separater Turm erbaut über den wir bereits hier berichteten.

Schon in der Renaissance wurde einige kleine Veränderungen vorgenommen (Stuckarbeiten im Vorraum), aber richtig große Umgestaltungen gab es 1738, als man – IMG_3324wie es bei so vielen alten Kirchen in dieser Zeit geschah – eine umfassende Barockisierung vornahm, z.B. durch den Anbau einer Seitenkapelle. Als 1745 ein Feuer die Kirche beschädigte, barockisierte man anschließend auch den Turm, der nun einen zeittypischen „zwiebelförmigen“ Aufsatz bekam. Maler wie Karel Škréta und Václav Vavřinec Reiner sowie Bildhauer wie Jan Jiří Bendl und Richard Prachner trugen zur neuen Innen- und Außengestaltung bei. Schon über dem prachtvollen neuen Eingang fallen die Barockstatuen des Heiligen Nepomuk (kleines Bild links) und des Heiligen Judas Thaddaeus auf.

Vor allem im Innenraum IMG_3367bemerkt man heute immer noch die optische Dominanz des Barocks mit seinen opulenten vergoldeten Schnitzereien und Skulpturen. Dabei sticht vor allem der Hauptaltar mit den Altarbildern von Johann Georg Heinsch ins Auge (Bild rechts).

Wie ebenfalls nicht selten der Fall, folgte im 19. Jahrhundert der Barockisierung eine umfangreiche Regotisierung – zumindest, was das äußere Erscheinungsbild angeht. Sie erfolgte durch den damaligen Spezialisten für Neogotik, dem Architekten Josef Mockerin den Jahren 1875 bis 1879. Sie betraf vor allem auch den Turm und dessen nunmehr mit IMG_3326gotischen Spitzbögen versehene Fenster (kleines Bild links)

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass um die Kirche herum noch viele alte Grabsteine (so viele wie bei keiner anderen Kirche in der Neustadt) erhalten sind. Viele davon stammen aus dem 17. und 18. Jahrhundert und sind in der Tat vielfach noch recht gut erhalten. Sie erinnern daran, dass bis zum späten 18. Jahrhundert Friedhöfe immer mitten in der Stadt rund um die Gemeindekirchen zu finden waren. Das ist heute nicht mehr so, weil um das Jahr 1780 Kaiser Joseph II. das Anlegen von großen Friedhöfen in den Außenbereichen der Stadt anordnete und die überfüllten kleinen Kirchhöfe schloss, aber das Areal um die IMG_3325Heinrichs- und Kunigundenkirche macht wieder ein klein wenig plastisch sichtbar, wie es vorher war.

Aus diesem Grunde wurde rund um die Kirche das ehemalige Kirchhofgelände als ein kleiner Park angelegt, was man auf dem großen Bild oben gut erkennen kann. Mit seinem wunderschönen und schattenspendenden alten Baumbestand und seinen einladenden Parkbänken ist er inmitten des Innenstadttrubels tatsächlich eine Art kleiner Oase der Ruhe, wo man sich von den heftigen Anstrengungen einer Prager Stadttour einfach einmal gut entspannen kann. (DD)

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