Böhmischer Indiana Jones?

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Nein, er raste nicht in einer Lore durch den Stollen unter dem Tempel des Todes. Ebenso wenig hat er den Gral gesucht und gesichtet. Trotzdem: Mit seinem breitkrempigen Hut und der kraftvollen Pose hat Benedikt Roezl auf dem Sockel seines Denkmals auf dem Karlsplatz von weitem schon eine verblüffende Ähnlichkeit mit dem Filmhelden Indiana Jones. Mit dem teilte er auch die IMG_3225simultane Neigung zu Wissenschaft und Abenteuer.

Und in der Tat hat sich der berühmte Prager Botaniker gerne auf Abenteuer eingelassen. Er bereiste 1854 erstmals Mexiko, um dort seltene Pflanzen zu entdecken und – ganz nebenbei – eine Pflanzenzuchtanstalt zu gründen. Auch da ging es abenteuerlich zu. 1859 wurde er von Rebellen gefangen und gelangte nur mit Mühen wieder in die Freiheit.

1867 verschlug es ihn nach Kuba, wo er eine Maschine zum Reinigen von Hanf erfand, die ihm allerdings bei der Vorführung die Hand zerquetschte. Statt der Hand trug er nun einen eisernen Haken – weniger wie Indiana Jones dürfte er nun ausgesehen haben, sondern eher wie ein Nebendarsteller bei Fluch der Karibik.

Haken hin, Haken her: Er ließ sich nicht beirren. IMG_32191872 tourte er durch den Südwesten der USA und wurde in New Mexico von Banditen überfallen (und überlebte). Im Frühjahr 1873 ging es nach Caracas und wieder nach Mexiko; Ende des Jahres erklomm er 5000 Meter hohe Gipfel der Anden in Peru, Bolivien und Ecuador. In diesem Beitrag findet man unten eine Karte mit seinen Reisen.

Nach Böhmen zurückgekehrt, widmete er sein nun etwas ruhiger gewordenes Leben der Forschung und Lehre und wurde unter anderem Chefredakteur der renommierten botanischen Zeitschrift „Flora“.

Am Ende hatte er bei seinen Expeditionen über 100.000 Pflanzenexemplare zurück nach Europa geschickt und über 800 neue Pflanzenarten entdeckt – darunter viele Orchideenarten. IMG_3220Die Liste der Pflanzen, die nach ihm würdigend benannt sind, ist ausgesprochen lang.

Ob seiner Verdienste setzte man ihm schon 1898 (14 Jahre nach seinem Tode) auf dem Karlsplatz ein recht großes und prachtvoll ausgestattetes Denkmal. Die Statue wurde von den Bildhauern Gustav Zoula und Čeněk Vosmík geschaffen, der sehr elaborierte Sockel von dem Architekten Eduard Sochor. So steht er nun da, der große böhmische Abenteurer und Gelehrte mit einem Buch in der linken und einer Pflanze in der rechten Hand (kurz: er hat dort wieder beide Hände!), während ein getreuer Indianerjunge hinter ihm auf dem Boden kauernd mit einer Machete in der Hand für ihn nach Pflanzen sucht. Das würde man heute aus Gründen der politischen Korrektheit wohl nicht mehr so darstellen, aber man muss zugeben, dass es dem ganzen Denkmal gerade  erst das richtige Abenteuerflair verleiht. (DD)

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