Das letzte Bauernhaus in Vinohrady (nebst Kapelle)

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Der Stadtteil Vinohrady (Weinberge) wurde erst im späten 19. Jahrhundert angelegt und entwickelte sich bis tief ins 20. Jahrhundert weiter. Dass hier zuvor seit dem 14. Jahrhundert keine Stadt, sondern ein Weinbaugebiet war, bemerkt man inmitten der hübschen Gebäude, deren Stil vom Jugendstil bis zum Funktionalismus reicht, nicht mehr. Nur IMG_3413eines der alten Bauerhäuser trotzt noch der modernen Urbanität des Stadtteils: Das Gehöft Vondračka in der Perucká 61/13.

Man kann noch zurückverfolgen, dass das Haus im Jahre 1755 von einem reichen Stadtrat der Neustadt erbaut wurde, der Karel Leopold Bepta hieß. Nach seinem Tod im Jahre 1769 fiel es an Hynek Vondráček (der dem Gehöft bis heute den Namen gab). 1838 wurde das Barockhaus von einem Nachfahren Vondráčeks noch einmal im klassizistischen Stil umgebaut, der bis heute den Gesamteindruck des Bauwerks prägt.

Nach 1853 kam es zu mehreren Besitzerwechseln und in den 1950er Jahren wurde es verstaatlicht. Zu diesem Zeitpunkt war das Gebiet ringsum bereits als Wohngebiet erschlossen. Die Vondráčka war nunmehr kein Bauernhof mehr, sondern ein Wohnhaus. Unnötig zu IMG_3412erwähnen, dass das Gebäude in den Zeiten des Kommunismus arg herunterkam. Nach dem Fall des Kommunismus 1989 wurde es aber den Erben der früheren Besitzer rückerstattet, die es nunmehr blitzblank renovierten.  So steht es nun  mit seiner klassizistischen Fassade und dem IMG_3363kleinen Turmaufsatz  auf dem Dach wie ein altes Relikt unter den vielen modernen Villen der Umgebung.

Die Wirtschaftsgebäude, die das Haus dereinst umgaben, sind bis auf eines, das auch zum Wohnhaus wurde, natürlich längst verschwunden, weil kein landwirtschaftlicher IMG_3365Nutzen mehr für sie besteht. Ein wichtiges „Nebengebäude“ gibt es darüber hinaus aber noch. Es liegt einige hundert Meter entfernt auf halber Höhe der Nusle Treppen. Der Erbauer des Hauses, Bepta, ließ dort eine kleine quadratische Weinbergkapelle bauen, die als Einsiedelei gedacht war. Der Einsiedlerorden des Heiligen Iwan nahm sich folglich der Kapelle an und hielt sie in Schuss – bis Kaiser Joseph II. in den 1780er Jahren den Orden auflöste. Noch lange stand sie darob in der Obhut der örtlichen katholischen Gemeinde. In den Zeiten des Kommunismus verfiel auch dieses Gebäude – bis 1970 die kleine lokale altkatholische Gemeinde  sie als Gotteshaus übernahm und wieder hübsch in Stand setzte. (DD)

 

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