Seebären bei den Verkehrsbetrieben

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Ein Verkehrsmittel, das man in Prag unbedingt einmal nutzen sollte, sind die Fähren. Es gibt zur Zeit sechs davon, deren Uferstationen sich den ganzen Flusslauf der Moldau im Stadtgebiet Prag aufreihen. Die südlichste ist im Stadtteil Modřany (Fähre P6) gelegen, die nördlichste (P1) in der Nähe des Zoologischen Gartens.

Die motorgetriebenen Boote sind winzig und fassen selten mehr als 20 Passagiere (eigene IMG_3976Schätzung). Nun sind Fähren bei einer Stadt, die von einem großen Fluss durchschnitten wird, prinzipiell nichts Neues oder gar Ungewöhnliches. In grauer Vorzeit gab es wohl unzählige von ihnen in Prag. Lange Zeit gab es ja auch nur eine einzige große Steinbrücke, nämlich die im 14. Jahrhundert erbaute Karlsbrücke (früherer Beitrag hier). Da waren Fähren geradezu lebensnotwendig. Noch im 19. Jahrhundert gab es rund 50 Fähren, die einen von einem zum anderen Ufer brachten. Seit Ende des 19. Jahrhundert nahm die Zahl der Brücken aber so zu, dass man die Fähren allmählich als obsolet zu betrachten begann.

Seit einigen Jahren sind es aber nicht nur Touristen, die gerne beim Überqueren des Flusses das richtige Wasser- und Flussgefühl erleben möchten. Die Fähren werden gerne genutzt – und tatsächlich ist so eine Fahrt schlichtweg Spaß für die ganze Familie. Zwei der Fähren sind ganzjährig in Betrieb IMG_2927.JPG(P2 und P3), die übrigen von April bis Oktober.

Die Boote selbst sehen manchmal altertümlich (bzw. nostalgisch, wie das Boot rechts, das die Moldau in der Näher der Smíchovbrücke quert) aus, manchmal modern, und keines wie das andere. Wir lieben besonders die P7. Mit ihr kann man sogar eine abenteuerliche Drei-Stationen-Tour unternehmen, denn sie fährt nicht nur einfach von Ufer zu Ufer. Steigt man im Stadteil Karlín (rechtes Ufer) beim Rohanský Ufer ein, hält man erst einmal auf der Štvanice Insel (wo das hier beschriebene Jugendstil-Wasserkraftwerk steht) an, um dann nach einer weiteren Fahrt im Stadtteil Bubenec beim alten Prager IMG_3990.JPGMarkt (Pražská Tržnice) auf dem anderen Ufer zu landen.

Das winzige Fährboot der P7 ist eher moderner Bauweise mit sportlichem Außenbordmotor, verdient aber die Bezeichnung „cool“ voll und ganz. Zumindest als wir zuletzt damit fuhren … Es ist das einige, wo man auf Ledersofas und nicht auf Holzbänken sitzt. Der „Kapitän“ war mit Jack-Sparrow-mäßig mit Piratenkopftuch bestückt, das ihn aber am Ende als Harley-Davidson-Fan auszeichnete. Und man konnte während der Fahrt ordentliche Heavy-Metal-Musik hören. Noch einmal: Echt cool!

Es ist ein Zeichen ihrer Toleranz für Individualität, dass die Prager Verkehrsbetriebe soviel kulturelle und schiffsbaudesignmäßige IMG_3993.JPGVielfalt erlauben und fördern – denn: das ist der Clou: Alle sieben Fähren gehören – Heavy Metal oder nicht – ebendiesen Verkehrsbetrieben. An den Stegen stehen sogar die normalen Fahrplanschilder, die man auch an den Bus- und Straßenbahnhaltestellen findet (siehe Bild rechts). Man hat eben dort erkannt, dass die Fahrgäste nicht den verbeamteten Fahrerdienstleister, sondern einen echten Seebären (siehe auch hier!) bei ihrer IMG_3986abenteuerlichen Fahrt durch die Wogen am Steuerrad sehen wollen.

Ja, und noch einen Vorteil hat die Zugehörigkeit der Fähren zu den Verkehrsbetrieben: Man kann mit einem einfachen ÖPNV-Ticket (Kurzstrecke) fahren. Hat man ein Tagesticket oder eine andere Dauerkarte, fährt man einfach so mit. Auf jedem Boot gibt es, wie in Bus oder Straßenbahn, ein normales Entwertungsgerät. Preisgünstiger und kundenfreundlicher geht’s nimmer! (DD)

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